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Der Zellesche Weg – das Stadtbahn 2020-Projekt und die Petition

ZellescherWeg_GoogleMaps

Der Zellesche Weg – auch Zelle genannt – befasst mich seit ich mein Studium in den 1990er Jahren in Dresden begann. Entlassung_ZelleIch hatte das große Glück, mir eine der Zellen in den seinerzeit noch unsanierten Wohnheimen der ehemaligen Arbeiter- und Bauern-Fakultät mit ettlichen anderen ähnlich verrückten, unangepassten, wenig verwöhnten Studierenden zu teilen. Und wir teilten nicht nur die Zellen, sondern auch die Wege und wenn es mal nicht per Rad ging, den beengten Raum in der 61.

Ja , eng war es schon damals – und da entstand grad erst der DrePunct, die Landesbibliothek befand sich noch in der Marienallee und kam als SLUB erst 2002 an den Zelleschen Weg.

Heute haben wir am Zelleschen Weg eine SLUB mit über 70.000 NutzerInnen p.a. und 280 MitarbeiterInnen, verschiedene Forschungsinstitute sowie Einrichtungen der TU Dresden, die inzwischen auch mehr als 32.000 Studierende und ca. 8000 Beschäftigte zählt (Zahlen und Fakte TU-Dresden 2018/19: https://tu-dresden.de › profil › dateien › zahlfakt › tud_2018_12_20_de). Die Wohnheime des Studentenwerks sind voll belegt, die Wohnungen im Areal Greif-Straße /Paradiesstraße/Rungestraße/Zschertnitzer Weg/ Pestitzer Weg auch. Die Linie 61 ist die am meisten genutzte Buslinie Dresdens. Inzwischen transportiert sie trotz steigender RadlerInnen-Zahlen täglich ca. 37.000 Fahrgäste. Das geht nur noch mit Drücken und Schieben und manchmal gar nicht mehr. Fahrrad- und Kinderwagenmitnahme sollte mensch sich ganz genau überlegen, auch den Transport zerbrechlicher Dinge (z.B.Modelle, Kunstobjekte… Kuchen), Pünktlichkeit wird zumindest in Stoßzeiten – zur Hexexerei.

–> Entspannung dieser Situation lässt sich ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig nur durch elektrifizierten ÖPNV (Straßenbahn) realisieren, was gleichzeitig die wichtige Erschließungsachse schaffen würde, die Netz fehlt. Dies wäre also ein Grund für Stadtbahnprojekt 2020/Teilprojekt Uni-Linie

Zur Petiton konkret:

Natürlich ist mein Wunsch ein anderer: Straßenbahn (eigenes Gleis), je 1 Richtungsspur für Autoverkehr, breite Fußwege, breite Radwege, genügend Querungsmöglichkeiten und Bäume, nur wie realistisch ist diese in den nächsten 10 Jahren in Dresden?

Das Stadtbahnprojekt MUSS aber weitergeführt werden, daher ist es Aufgabe der Politik einen Kompromiss zu finden, der dies ermöglicht und dabei die großen städtischen Ziele, aus denen die Idee Stadtbahn2020 sich übrigens gleichermaßen speist wie aus oben beschriebenem Grund, ebenso mit vefolgt. Dies sind u.a. (!):

  • grundsätzlicher Ziele für Dresden
    • Integriertes Stadtentwicklungskonzept (INSEK)
    • Integriertes Energie- und Klimaschutzkonzept,
    • Luftreinhalteplan,
    • Aktionsplan LH Dresden zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention
  • 2014 beschloss der Stadtrat den von 2009 bis 2013 unter breiter Beteiligung der Öffentlichkeit erarbeiteten Verkehrsentwicklungsplan „Dresdner VEP 2025plus“, (Beschlussnummer V2476/13 vom 20.11.2014)
  • eingeflossen in dieses Konzept: SR-Beschluss V0405/10 Prioritätenliste Straßenbahn-Neubaustrecken als Grundlage für die weitere Planung (im April 2010 mit 53:0:6)

Zentrales Element dieser Beschlüsse ist ein attraktiver schneller zuverlässiger ÖPNV → Stadtbahn 2020-Projekt:

  • innerhalb dieses ist das Teilprojekt Uni-Linie von zentraler Bedeutung, stellt wohl wichtigstes Ausbauprojekt dar. Die „Uni-Linie“ soll als neu zu errichteten Straßenbahnstrecke die Stadtteile Löbtau und Strehlen an den Campus anbinden und so die seit Jahrzehnten völlig überlasteten Buslinien ersetzen (siehe oben)
  • Sie führt von der Zentralhaltestelle Kesselsdorfer Straße über die Nossener Brücke, die Nürnberger Straße, den Fritz-Förster-Platz, den Zelleschen Weg, die Casper-David-Friedrich-Straße, den Wasa-Platz zum Haltepunkt Strehlen. Innerhalb des Campus auf dem Zelleschen Weg soll die Bahn in einem eigenen mittig eingeordneten Bahnkörper als Rasengleis geführt werden. Das heißt mit der Errichtung der StraBa-Linie steht auch eine Neuordnung des Straßenraums an

Ziele des Hauptanliegers Universität

  • Zellescher Weg = einerseits zentraler Weg im „Campus“-Gefüge sowie zwischen Teil-Campus, aber auch von Wohnheimen zu Kerncampus, von Anschlüssen an Regionalverkehr zu Kerncampus, außerdem liegen zentrale universitäre sowie Landeseinrichtungen am Zelleschen Weg: SLUB, Mensen, Fakultäten, Forschungsinstitute → für Wahrnehmung Uni und Außenwahrnehmung Uni bedeutsam → starker Fußgänger- und Radfahrverkehr entlang des Zelleschen Weges → Wechselverkehr → Treffpunkte/Aufenthaltsorte
  • Zellescher Weg in realo = stadtschneidende 4spurige Verkehrsanlage, mit wenigen Anreizen für Aufenthalt und Gefährdungspotential für Fußgänger und Radfahrer, wenige sichere Querungsmöglilchkeiten
  • Masterplan Campusgestaltung: Hervorgehoben wird die Diskrepanz zwischen dem Image, welches die TU Dresden als eine der Exzellenzuniversitäten in ihrer Öffentlichkeitsarbeit nach außen trägt und dem aktuellen, physischen Image. → Masterplan Campusgestaltung (Büro Karres+Brands)

–> Neuordnung Straßenraum +Verbesserung Sicherheit FußgängerInnen und RadfaherInnen +Verbesserung Aufenthaltsqualität + Schaffung von Kommunikationsräumen + Ermöglichung Aufenthalt/Kommunikation im Freiraum zwischen den Einrichtungen + Zusammenführung Universität

Die Variante „Führung auf eigenem Bahnkörper in Mittellage mit seitl. Grünstreifen“ hat sich aus einer sehr offenen Voruntersuchung mehrer Varianten als Vorzugsvariante herausgeschält. Geprüft wurde übrigens auch die vom ADFC favorisierte Variante mit südseitig überfahrbarem Bahnkörper durch MIV. Ausschlaggebend für deren Nicht-weiterverfolgen waren u.a. Ausbremsen ÖPNV zugunsten MIV (in Dresden ist der MIV schneller als der ÖPNV!), Staubildung und aufgrund dessen höhere Umweltbelastung, Rasengleis nicht möglich, weniger sichere Querungsmöglichkeiten für FußgängerInnen und RadlerInnen u.v. GVFG-Förderrichtlinie –> Förderfähigkeit nicht gegeben.  Weiterverfolgt und hinsichtlich aller denkbarer Kriterien durchgeprüft wurden schließlich die Varianten Z2 und Z7. Daraus entwickelte die DVBAG gemeins. mit der Stadt die Varianten Z2, Z2a, Z7, Z8 und schließlich wurden Z2 und Z2a weiterentwickelt und optimiert.

Eine erste Planungsvariante 2015 sah vier Autospuren, Gehwege beidseitig mit Regelbreite sowie einen Radweg nordseitig von 3m und südseitig von 1,85m (zw. Ackermann-Straße und Fritz-Förster-Platz) und damit eine Straßenbreite von Bord zu Bord von 30,50m im Campus sowie die Zerstörung des grünen Walls mit den Linden vor der SLUB vor. Gleichzeitig wurde aber auch eine Variante „Z2a optimiert“ vorgestellt, mit der die Linden auf der Wallanlage erhalten werden konnten. Statt vier separater Autospuren á 3,50m soll je eine überbreite Richtungsfahrbahn von 5,50 m den Autoverkehr durch den Campus führen. Damit können sich PKW weiterhin überholen , gleichzeitig werden aber 2m Raum für den Campus gewonnen.

Die Zufahrten an den Kreuzungen bleiben zweistreifig. Der Stadtrat hat im Januar 2016 diese Variante „Z2a optimiert“ plus Verbreiterung des nördlichen Radfahrstreifens auf 2,00m und des südlichen Zweirichtungsradweges auf 2,50m der Stadtverwaltung als Grundlage für die weitere Planung empfohlen. Z2a_optimiert_plus_radwegbreiter

Damit wurden von den 2m gewonnenen Raumes 0,65m für eine höhere Sicherheit der überwiegend zu Fuß (ÖPNV) und per Rad sich fortbewegenden Studierenden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TU Dresden sowie anliegender Forschungseinrichtungen, aber auch Nutzerinnen und Nutzern der SLUB und der Mensen eingesetzt. Die schmalere Variante verursacht zudem weniger Eingriffe in den Seitenraum, eine geringere Flächenversiegelung und spart Kosten im Millionenbereich.

Ja, für diese Variante müssen insgesamt 420 Bäume (darunter 96 geschädigte und stark geschädigte Bäume) gefällt werden. Das tut verdammt weh.  Erhalten werden können rund 70 Bäume, die Linden auf dem Wall der SLUB (Das ist ein zentraler Bestandteil der Petition) und die Linden vor dem DrePunct.

SLUB_Dresden_entrance

Eingangs SLUB mit Wall; Quelle:Christof Rodejohann via wikipedia

Gepflanzt werden 490 neue Bäume. Ein Landschaftspflegerischer Begleitplan wird selbstverständlich für die letztlich beauftragte Variante erstellt.

Für diese Vorplanung hat die LH Dresden auf Basis des Stadtratsbeschlusse die Entwurfs- und Genehmigungsplanung eurpaweit ausgeschrieben. Die Kosten hierfür sind nicht gering. Eine andere Variante erfordert eine neue Vorplanug und eine neue Ausschreibung – sofern überhaupt eine Stadtratsbeschluss für eine neue Variante herbeigeführt werden kann.

Die Petition hat zum Ziel:

  • die schnellstmögliche Realsierung des Stadtbahn 2020-Projektes (Gründe siehe oben)

Dafür stellt sie einen Kompromiss mit den Autofahrern dar, denn

  • Einschränkung des Autoverkehrs ist nur gefühlt, überbreite Fahrstreifen je Richtung sind laut Planungsrichtlinie vollkommen ausreichend, das hat auch eine Verkehrssimulation bestätigt, d.h. MIV erhält den Raum, den er nach konservativen Betrachtungen braucht, aber auch nicht mehr

Gkeichzeitig erlaubt diese Variante aber auch zu einem späteren Zeitpunkt, die überbreite Fahrspur zugunsten des Radverkehrs in eine normale Fahrspur umzuwandeln.

Die Petition möchte:

  • dass die nach jahrelanger Vorarbeit beschlossene Vorplanung für den Zelleschen Weg nicht aufgeben und somit die Realisierung des STadtbahn-Projektes auf den St.-Nimmerleins-Tag verschoben wird, sondern, dass Variante „Z2a optimiert“ weitergeplant und weiter optimiert wird.
  • Das bedeutet glztg., dass der Antrag A0550/19 zurückzuziehen bzw. abzulehnen ist.

Über 5300 Dresdnerinnen und Dresdner haben in nur 3 Wochen die Petition unterzeichnet.


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