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Stadtbahn 2020 – Teil 4 – …was aus der Petition „Nürnberger Straße sicher und bedarfsgerecht für Fuß- und Radverkehr gestalten“ wurde

Foto: LH Dresden/Grossmann

3059 Dresdner*innen unterzeichneten die Petition des ADFC (Link zur Petion) zur Anpassung der Planung für die Nürnberger Straße im Zuge des Projektes Stadtbahn 2020.
Am 03. November behandelte der Petitionsausschuss des Dresdner Stadtrates diese Petition.

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Stadtbahn 2020 – Teil 3 – Bericht im Stadtbezirksbeirat Plauen (und Zwickauer)

Am Die., d. 13. Juli – also ca. 2 Wochen nach Ende der Einwendungsfrist – besuchten MitarbeiterInnen der Stadtverwaltung Dresden den Plauener Stadtbezirksbeirat, um mündlich über den Planungsstand des Teilabschnittes 1.2. des Stadtbahn 2020-Projektes zu informieren.
Herr Kalbe, Projektleiter und Frau Nitschke, Planungsingenieurin im Straßen- und Tiefbauamt stellten die Planung anhand einer Präsentation (Link im Beitrag) vor.
Sebastian Kositz berichtete darüber u.a. in seinem Beitrag „Zoff um Ausbau der Nürnberger Straße: So reagiert die Stadt Dresden auf die Kritik“, der am 21.07. in der DNN erschien

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Stadtbahn 2020 – Teil 2: PFV & Mustereinwendung

Projekte mit kritischem Blick zu prüfen und Details zu hinterfragen, heißt nicht, diese abzulehnen.

Ich will die Stadtbahn 2020 – möglichst schnell.

Kreuzung Nürnberger Straße/Budapester Straße-Chemnitzer am Samstagnachmittag (12.06.2021)

Das Projekt ist wichtig und richtig (und schon in ziemlicher Verzögerung), aber die nun vorliegende Planung ist einfach aus der Zeit gefallen.
Ich habe in meinem letzten Beitrag auf dieser Seite [https://ezoderwitz.wordpress.com/2021/06/03/stadtbahn-2020-planfeststellungsverfahren/] ja schon ein paar Kritikpunkte zusammengefasst und auch die entsprechenden Planungsunterlagen eingestellt.

Mensch findet dort übrigens auch noch einmal den Link zur Präsentation und v.a. Petition des ADFC.

Querschnitte, Versieglungsgrad, Radwegebreite sind die Hauptkritikpunkte.
So sieht die Planung ohne Verbesserungen für Radverkehr massive Querschnittsverbreiterungen vor.
Zwar sind umfassende Neupflanzungen von Straßenbäumen (neu allerdings im Gehweg und nicht mehr in der Grünfläche wie Bestand) geplant, aber dennoch werden 8.106 m² bisheriger un- oder teilversiegelter Flächen neu versiegelt. In dieser Größe sind vereinzelt rückbaubare Flächen und geplanten Baumscheiben im Gehwegbereich bereits eingerechnet sind.

Meinerseits wurde inzwischen eine Einwendung zu einzelnen Planungsansätzen eingereicht.

Wie versprochen habe ich das Ganze aber auch noch einmal als Mustereinwendung verfasst. Sie kann also entsprechend ausgeschlachtet oder im Ganzen für eigene Einwendungen oder auch nur als Denkanstoß verwendet werden. Wichtig ist, sollte ein Interesse an der Beachtung der eigenen Einwendung bestehen, muss diese bis zum 02.07.2021 bei der zuständigen Landesdirektion Dresden eingegangen sein.

Hier die Mustereinwendung: LINK

Fotos: E. Zimmermann; Budapester/Nürnberger Straße; Nürnberger Ei (geschützte Parkanlage gem. SächsDmSchG); Treppe Nossener Brücke SW/Eingang Pulvermühlenpark; Böschungsbewuchs Eingang Pulvermühlenpark; Oederaner/Siebenlehner Straße mit so genannter Schmetterlingswiese li.

Stadtbahn 2020 – Teil 1: Planfeststellungsverfahren (PFV)

…Stadtbahnprojekt unterstützen heißt nicht zwangsläufig die Planung in Gänze gutheißen

Quelle: DVB-AG (links); E. Zimmermann (rechts)

Vom 19. April bis 1. Juni 2021 lagen die Planungsunterlagen für das Planfeststellungsverfahren „Stadtbahn2020, Teilabschnitt 1.2. Nossener Brücke – Nürnberger Straße“ zur Einsicht aus. Die Einwendungsfrist läuft noch bis zum 01. Juli 2021.

Die Planungsunterlagen sind nach wie vor auf der Website der Stadt Dresden abrufbar. Zu finden sind sie unter „Offenlagen“: Link

Einzelne wichtige Pläne sowie der Erläuterungsbericht und die UVP können aber auch hier heruntergeladen werden

  • Erläuterungsbericht Link
  • Abwägung Varianten Link
  • Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) von 09/2020 Link
  • Artenschutzfachbeitrag (AFB) Link
  • Artenschutzrechtliche Prüfung (ASP) zur Kompensationsmaßnahme Abbruch Niedermühle Seifersdorfer Tal Link
  • Anlage Landschaftspflegerischer Begleitplan – Konfliktplan Bestand – Link
  • Landschaftspflegerischer Begleitplan/Maßnahmen (aufgrund Datengröße Verweis externer Link – 73MB)
  • Lageplan Reglungen Link
  • Übersichtspläne Straßenquerschnitte komplett Link
  • Straßenquerschnitte Nossener Brücke/Nürnberger Straße Link
  • Straßenquerschnitt Abschnitt Kaitzer Str. – Bernhardstraße Link
  • Straßenquerschnitt Nürnberger Ei Link
  • Straßenquerschnitte Nebenstraßen (Oedeaner, Zwickauer…) Link
  • Straßenquerschnitt Fabrikstraße Link
  • Übersichtspläne Gehwegabschnitte etc Link

So sehr ich diese Planung begrüße, sind doch einige Punkte zu kritisieren. Dies betrifft insbesondere

  • Radstreifenbreiten von 1,85m auf dieser Hauptachse; ausgenommen nur Brücke selbst Nordseite
  • Beibehalten der vierspurigen bzw. dreispurigen Kreuzungsaufweitung Nossener Brücke/Budapester/Chemnitzer Str.
  • Baumfällungen im Bereich Pulvermühlenpark
  • Baumfällungen und Begleitgrünverlust aufgrund massiver Querschnittsverbreiterung

An der Einwendung sitz ich noch – vielleicht gibt es noch eine vor Ende der Einspruchsfrist ne Mustereinwendung. Vorerst kann ich nur jede/n ermuntern, sich die Pläne anzuschauen und selbst nachzudenken und aktiv zu werden.

An dieser Stelle sei auch auf die laufenden Petition des ADFC-Dresden zur Planung hingewiesen

hier nachzulesen und ggf. mitzuzeichnen https://www.dresden.de/de/leben/gesellschaft/buergebeteiligung/epetition.php?extForwardUrl=https%3A//apps.dresden.de/ords/f%3Fp%3D1610%3A3%3A%3A%3ANO%3A%3AP3_P_ID%3A14027

Denkmalschutz & Nachhaltigkeit

Das Motto des etwas anderen Tags des offenen Denkmals 2020 „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken. – Nachhaltigkeit und Denkmalschutz“ hat dafür gesorgt, sich mal wieder vordergründiger mit diesem für uns allgegenwärtigen, aber für Laien, Stadtentwickler, PolitikerInnen und ImmobilienwirtschaftlerInnen oft nicht beachteten Aspekt zu beschäftigen.

Unser kulturelles Erbe erhalten – also bewahren im Sinne von konservieren, aber auch in die Zukunft „transportieren“ – ist die zentrale Aufgabe von Denkmalschutz. Denkmalschutz findet dabei aber nicht jenseits aktueller Entwicklungen und Aufgaben statt. Denkmalpflege und Denkmalschutz reflektieren sehr wohl die aktuellen Debatten, Fragestellungen und Entwicklungen im Zeichen von Klimawandel, Ressourcenknappheit, Artensterben, sozialer und anderer Konflikte. Dies zeigt recht plakativ allein ein Blick auf ältere Motti:thema2012_plakat

Schon 2012 widmete sich der Tag des offenen Denkmals dem Bau- und Wertstoff „Holz“ und natürlich auch dem für Klima- und Artenschutz so essentiellen lebendigen Holz. Letzteres war auch bereits 2006, als die so wichtigen Parks und Gärten im Mittelpunkt standen, Themenschwerpunkt. 2018 wurden das Verbindende in unserem kulturellen Erbe bzw. auch das als trennend Wahrgenommene und die sich daraus ergebenden Folgen in den Fokus gerückt. 2019 ging es um Brüche, Umbrüche, Neuerung, die sich im baukulturellen Erbe widerspiegeln und somit nachvollziehbar und auch hinterfragbar bleiben. Schon vor 19 Jahren – 2001 wurde das Thema Bildung und Nachhaltigkeit aufgerufen.

Der bewusste Umgang mit unserem Planeten, unseren Ressourcen und das Bewußtmachen, dass das eigene Handeln Folgen hat – kaum ein anderes Thema ist aktuell so gesellschaftsrelevant. Zu dieser gesellschaftlichen Debatte kann die Denkmalpflege einen wichtigen Beitrag leisten. Denkmale zu erhalten, ist gelebte Nachhaltigkeit im weitesten Sinne des Wortes – sollte es sein. „In der öffentlichen Wahrnehmung gilt Denkmalschutz allerdings oftmals als das Gegenteil: Denkmale seien energetisch problematisch, stehen dem Fortschritt im Weg und seien auch unter ökologisch-wirtschaftlichen Gesichtspunkten eine Herausforderung.“ (Zitat DSD).

Dabei stellt sich Denkmalschutz sehr wohl als zukunftsweisende Aufgabe dar. Sinn und Zweck von Denkmalpflege und Denkmalschutz ist es, die Vielfalt menschlicher Handlungen/Handlungsoptionen, Lebensentwürfe, Visionen, aber natürlich auch der Techniken & Technologien, Ausdrucksmittel, Stile, Materialien, Ansprüche aufzuzeigen. Es gilt Irrwege und Folgen diverser Entwicklungen materiell greifbar zu verdeutlichen. Denkmale zu erhalten heißt also, materielle Wissensspeicher/besondere Lernorte zu bewahren, zugänglich zu machen. Kulturdenkmale halten eben nicht nur Informationen über Vergangenes in oft ungeahnter Breite vor, sondern tragen in sich gleichzeitig ein breites Spektrum an alternativen Lebens-, Ausdrucks- und Produktionsmöglichkeiten. Nicht selten Museum_642_Poesneck„überrascht“ ein altes Gebäude mit fortschrittliche und umweltfreundliche Technologien, die heute wieder Vorbildfunktionen einnehmen können.

Neben diesem Schutz von Wissen, Ideen etc. trägt Denkmalpflege aber auch messbar zum Schutz wertvoller Ressourcen bei. Der Erhalt von Kulturdenkmalen schont Ressourcen. Leider wird auch heutzutage bei Energiebilanzen noch häufig nur auf zukünftige Energieeinsparungsmöglichkeiten geschaut. Die so genannte Graue Energie – also all die Energie zum Gewinnen von Materialien, zum Herstellen und Verarbeiten von Bauteilen, zum Transport von Menschen, Maschinen, Bauteilen und Materialien zur Baustelle, zum Einbau von Bauteilen im Gebäude sowie zur Entsorgung – wird nicht mitbetrachtet. Dabei belasten Abbruch und Neubau die Umwelt oft wesentlich mehr als der Gebäudeunterhalt. Durch die Verwendung heimischer Materialien und durch ressourcenschonendes Bauen lässt sich die im Gebäude verbaute graue Energie minimieren. „Eine Sanierung von Bestehendem ist vielleicht nicht immer die schnellste Lösung und sie benötigt genaue Planung – aus Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit ist sie jedoch mehr als lohnend. Gegenüber einem Neubau lassen sich bei Sanierungen rund zwei Drittel an Material einsparen. Entgegen der in der Öffentlichkeit verbreiteten Auffassung schneiden Renovierung und Anpassung von Gebäuden bei ganzheitlicher Bewertung von Baustoffen, Produktionsprozessen und Wiederverwertungsmöglichkeiten in der Regel deutlich besser ab als Abbruch und Neubau. Ein weiterer Vorteil: Bislang unberührte Grünflächen bleiben von Bebauung deutlich stärker verschont, wenn der Bestand optimal genutzt und erneuert bzw. denkmalgerecht saniert wird.“ (Zitat DSD) Die Verwendung traditioneller Handwerkstechniken geht zudem meist mit dem Gebrauch von nachhaltigen Baustoffen einher. Historische Materialien sind oft nicht nur umweltverträglicher, sie sind häufig auch ressourcenschonender in der Herstellung. Und schließlich sorgen so genannte „Denkmalhöfe“ mit ihren historischen Baustofflager dafür, dass wertvolle Bauteile und Materialen wiederverwendet werden.

Auch Naturdenkmale wie denkmalgeschützte Bäume, historische Gärten und Parks, Alleen oder die Grüngürtel um geschützte Ortslagen machen Denkmalschutz zu einem Synonym für Nachhaltigkeit. VolksparkUnsere Städte werden dichter und historische Grünflächen damit immer wichtiger. Sie steigern die Aufenthaltsqualität und leisten einen wichtigen ökologischen Mehrwert, denn sie sorgen für die Zirkulation von Frischluft und bieten Lebensraum für Tiere und Pflanzen – oft haben alte Pflanzenarten nur noch hier ihren Freiraum. Grünflächen, Parkanlagen, Friedhöfe gewinnen als landschaftlich Freiräume und Naturoasen immer größere Bedeutung. Pflege und Erhalt dieser grünen Kulturdenkmale stehen gefühlt in einem enormen Spannungsfeld. Dabei können Naturschutz und Denkmalschutz sehr gut Hand in Hand gehen. Siehe hierzu auch : https://denkmalanbesonderebaeume.wordpress.com/gemeinsam-nachhaltig-handeln-denkmalschutz-und-naturschutz/

Es lohnt sich also, dem kulturellen Wert und dem Nachhaltigkeitsaspekt von Denkmalschutz gegenüber kurzzeitig wirkenden wirtschaftlichen Erwägungen die gebührende Priorität einzuräumen.

Der Zellesche Weg – das Stadtbahn 2020-Projekt und die Petition

ZellescherWeg_GoogleMaps

Der Zellesche Weg – auch Zelle genannt – befasst mich seit ich mein Studium in den 1990er Jahren in Dresden begann. Entlassung_ZelleIch hatte das große Glück, mir eine der Zellen in den seinerzeit noch unsanierten Wohnheimen der ehemaligen Arbeiter- und Bauern-Fakultät mit ettlichen anderen ähnlich verrückten, unangepassten, wenig verwöhnten Studierenden zu teilen. Und wir teilten nicht nur die Zellen, sondern auch die Wege und wenn es mal nicht per Rad ging, den beengten Raum in der 61.

Ja , eng war es schon damals – und da entstand grad erst der DrePunct, die Landesbibliothek befand sich noch in der Marienallee und kam als SLUB erst 2002 an den Zelleschen Weg.

Heute haben wir am Zelleschen Weg eine SLUB mit über 70.000 NutzerInnen p.a. und 280 MitarbeiterInnen, verschiedene Forschungsinstitute sowie Einrichtungen der TU Dresden, die inzwischen auch mehr als 32.000 Studierende und ca. 8000 Beschäftigte zählt (Zahlen und Fakte TU-Dresden 2018/19: https://tu-dresden.de › profil › dateien › zahlfakt › tud_2018_12_20_de). Die Wohnheime des Studentenwerks sind voll belegt, die Wohnungen im Areal Greif-Straße /Paradiesstraße/Rungestraße/Zschertnitzer Weg/ Pestitzer Weg auch. Die Linie 61 ist die am meisten genutzte Buslinie Dresdens. Inzwischen transportiert sie trotz steigender RadlerInnen-Zahlen täglich ca. 37.000 Fahrgäste. Das geht nur noch mit Drücken und Schieben und manchmal gar nicht mehr. Fahrrad- und Kinderwagenmitnahme sollte mensch sich ganz genau überlegen, auch den Transport zerbrechlicher Dinge (z.B.Modelle, Kunstobjekte… Kuchen), Pünktlichkeit wird zumindest in Stoßzeiten – zur Hexexerei.

–> Entspannung dieser Situation lässt sich ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig nur durch elektrifizierten ÖPNV (Straßenbahn) realisieren, was gleichzeitig die wichtige Erschließungsachse schaffen würde, die Netz fehlt. Dies wäre also ein Grund für Stadtbahnprojekt 2020/Teilprojekt Uni-Linie

Zur Petiton konkret:

Natürlich ist mein Wunsch ein anderer: Straßenbahn (eigenes Gleis), je 1 Richtungsspur für Autoverkehr, breite Fußwege, breite Radwege, genügend Querungsmöglichkeiten und Bäume, nur wie realistisch ist diese in den nächsten 10 Jahren in Dresden?

Das Stadtbahnprojekt MUSS aber weitergeführt werden, daher ist es Aufgabe der Politik einen Kompromiss zu finden, der dies ermöglicht und dabei die großen städtischen Ziele, aus denen die Idee Stadtbahn2020 sich übrigens gleichermaßen speist wie aus oben beschriebenem Grund, ebenso mit vefolgt. Dies sind u.a. (!):

  • grundsätzlicher Ziele für Dresden
    • Integriertes Stadtentwicklungskonzept (INSEK)
    • Integriertes Energie- und Klimaschutzkonzept,
    • Luftreinhalteplan,
    • Aktionsplan LH Dresden zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention
  • 2014 beschloss der Stadtrat den von 2009 bis 2013 unter breiter Beteiligung der Öffentlichkeit erarbeiteten Verkehrsentwicklungsplan „Dresdner VEP 2025plus“, (Beschlussnummer V2476/13 vom 20.11.2014)
  • eingeflossen in dieses Konzept: SR-Beschluss V0405/10 Prioritätenliste Straßenbahn-Neubaustrecken als Grundlage für die weitere Planung (im April 2010 mit 53:0:6)

Zentrales Element dieser Beschlüsse ist ein attraktiver schneller zuverlässiger ÖPNV → Stadtbahn 2020-Projekt:

  • innerhalb dieses ist das Teilprojekt Uni-Linie von zentraler Bedeutung, stellt wohl wichtigstes Ausbauprojekt dar. Die „Uni-Linie“ soll als neu zu errichteten Straßenbahnstrecke die Stadtteile Löbtau und Strehlen an den Campus anbinden und so die seit Jahrzehnten völlig überlasteten Buslinien ersetzen (siehe oben)
  • Sie führt von der Zentralhaltestelle Kesselsdorfer Straße über die Nossener Brücke, die Nürnberger Straße, den Fritz-Förster-Platz, den Zelleschen Weg, die Casper-David-Friedrich-Straße, den Wasa-Platz zum Haltepunkt Strehlen. Innerhalb des Campus auf dem Zelleschen Weg soll die Bahn in einem eigenen mittig eingeordneten Bahnkörper als Rasengleis geführt werden. Das heißt mit der Errichtung der StraBa-Linie steht auch eine Neuordnung des Straßenraums an

Ziele des Hauptanliegers Universität

  • Zellescher Weg = einerseits zentraler Weg im „Campus“-Gefüge sowie zwischen Teil-Campus, aber auch von Wohnheimen zu Kerncampus, von Anschlüssen an Regionalverkehr zu Kerncampus, außerdem liegen zentrale universitäre sowie Landeseinrichtungen am Zelleschen Weg: SLUB, Mensen, Fakultäten, Forschungsinstitute → für Wahrnehmung Uni und Außenwahrnehmung Uni bedeutsam → starker Fußgänger- und Radfahrverkehr entlang des Zelleschen Weges → Wechselverkehr → Treffpunkte/Aufenthaltsorte
  • Zellescher Weg in realo = stadtschneidende 4spurige Verkehrsanlage, mit wenigen Anreizen für Aufenthalt und Gefährdungspotential für Fußgänger und Radfahrer, wenige sichere Querungsmöglilchkeiten
  • Masterplan Campusgestaltung: Hervorgehoben wird die Diskrepanz zwischen dem Image, welches die TU Dresden als eine der Exzellenzuniversitäten in ihrer Öffentlichkeitsarbeit nach außen trägt und dem aktuellen, physischen Image. → Masterplan Campusgestaltung (Büro Karres+Brands)

–> Neuordnung Straßenraum +Verbesserung Sicherheit FußgängerInnen und RadfaherInnen +Verbesserung Aufenthaltsqualität + Schaffung von Kommunikationsräumen + Ermöglichung Aufenthalt/Kommunikation im Freiraum zwischen den Einrichtungen + Zusammenführung Universität

Die Variante „Führung auf eigenem Bahnkörper in Mittellage mit seitl. Grünstreifen“ hat sich aus einer sehr offenen Voruntersuchung mehrer Varianten als Vorzugsvariante herausgeschält. Geprüft wurde übrigens auch die vom ADFC favorisierte Variante mit südseitig überfahrbarem Bahnkörper durch MIV. Ausschlaggebend für deren Nicht-weiterverfolgen waren u.a. Ausbremsen ÖPNV zugunsten MIV (in Dresden ist der MIV schneller als der ÖPNV!), Staubildung und aufgrund dessen höhere Umweltbelastung, Rasengleis nicht möglich, weniger sichere Querungsmöglichkeiten für FußgängerInnen und RadlerInnen u.v. GVFG-Förderrichtlinie –> Förderfähigkeit nicht gegeben.  Weiterverfolgt und hinsichtlich aller denkbarer Kriterien durchgeprüft wurden schließlich die Varianten Z2 und Z7. Daraus entwickelte die DVBAG gemeins. mit der Stadt die Varianten Z2, Z2a, Z7, Z8 und schließlich wurden Z2 und Z2a weiterentwickelt und optimiert.

Eine erste Planungsvariante 2015 sah vier Autospuren, Gehwege beidseitig mit Regelbreite sowie einen Radweg nordseitig von 3m und südseitig von 1,85m (zw. Ackermann-Straße und Fritz-Förster-Platz) und damit eine Straßenbreite von Bord zu Bord von 30,50m im Campus sowie die Zerstörung des grünen Walls mit den Linden vor der SLUB vor. Gleichzeitig wurde aber auch eine Variante „Z2a optimiert“ vorgestellt, mit der die Linden auf der Wallanlage erhalten werden konnten. Statt vier separater Autospuren á 3,50m soll je eine überbreite Richtungsfahrbahn von 5,50 m den Autoverkehr durch den Campus führen. Damit können sich PKW weiterhin überholen , gleichzeitig werden aber 2m Raum für den Campus gewonnen.

Die Zufahrten an den Kreuzungen bleiben zweistreifig. Der Stadtrat hat im Januar 2016 diese Variante „Z2a optimiert“ plus Verbreiterung des nördlichen Radfahrstreifens auf 2,00m und des südlichen Zweirichtungsradweges auf 2,50m der Stadtverwaltung als Grundlage für die weitere Planung empfohlen. Z2a_optimiert_plus_radwegbreiter

Damit wurden von den 2m gewonnenen Raumes 0,65m für eine höhere Sicherheit der überwiegend zu Fuß (ÖPNV) und per Rad sich fortbewegenden Studierenden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TU Dresden sowie anliegender Forschungseinrichtungen, aber auch Nutzerinnen und Nutzern der SLUB und der Mensen eingesetzt. Die schmalere Variante verursacht zudem weniger Eingriffe in den Seitenraum, eine geringere Flächenversiegelung und spart Kosten im Millionenbereich.

Ja, für diese Variante müssen insgesamt 420 Bäume (darunter 96 geschädigte und stark geschädigte Bäume) gefällt werden. Das tut verdammt weh.  Erhalten werden können rund 70 Bäume, die Linden auf dem Wall der SLUB (Das ist ein zentraler Bestandteil der Petition) und die Linden vor dem DrePunct.

SLUB_Dresden_entrance

Eingangs SLUB mit Wall; Quelle:Christof Rodejohann via wikipedia

Gepflanzt werden 490 neue Bäume. Ein Landschaftspflegerischer Begleitplan wird selbstverständlich für die letztlich beauftragte Variante erstellt.

Für diese Vorplanung hat die LH Dresden auf Basis des Stadtratsbeschlusse die Entwurfs- und Genehmigungsplanung eurpaweit ausgeschrieben. Die Kosten hierfür sind nicht gering. Eine andere Variante erfordert eine neue Vorplanug und eine neue Ausschreibung – sofern überhaupt eine Stadtratsbeschluss für eine neue Variante herbeigeführt werden kann.

Die Petition hat zum Ziel:

  • die schnellstmögliche Realsierung des Stadtbahn 2020-Projektes (Gründe siehe oben)

Dafür stellt sie einen Kompromiss mit den Autofahrern dar, denn

  • Einschränkung des Autoverkehrs ist nur gefühlt, überbreite Fahrstreifen je Richtung sind laut Planungsrichtlinie vollkommen ausreichend, das hat auch eine Verkehrssimulation bestätigt, d.h. MIV erhält den Raum, den er nach konservativen Betrachtungen braucht, aber auch nicht mehr

Gkeichzeitig erlaubt diese Variante aber auch zu einem späteren Zeitpunkt, die überbreite Fahrspur zugunsten des Radverkehrs in eine normale Fahrspur umzuwandeln.

Die Petition möchte:

  • dass die nach jahrelanger Vorarbeit beschlossene Vorplanung für den Zelleschen Weg nicht aufgeben und somit die Realisierung des STadtbahn-Projektes auf den St.-Nimmerleins-Tag verschoben wird, sondern, dass Variante „Z2a optimiert“ weitergeplant und weiter optimiert wird.
  • Das bedeutet glztg., dass der Antrag A0550/19 zurückzuziehen bzw. abzulehnen ist.

Über 5300 Dresdnerinnen und Dresdner haben in nur 3 Wochen die Petition unterzeichnet.

Umbrüche – Modern(e)/ Moderne(n)

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Fürstengraben 23 – Alte Wucherey (Foto: EZ)

Am 08. September findet zum nunmehr 27. Mal der Tag des offenen Denkmals statt. Man kann diesen Tag ohne Übertreibung als die größte Veranstaltung in der Bundesrepublik zum Thema Denkmalschutz bezeichnen. Zahlreiche sonst nur schwer zugängliche Orte öffnen sich für Besichtigungen. Andere zeigen bisher gut versteckte Facetten. Ziel dieser bundesweiten Veranstaltung ist es, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren, Interesse und Verständnis für die Belange der Denkmalpflege zu wecken, aber v.a. auch den Denkmaleigentümern, Restauratoren, ehrenamtlich Engagierten die gebotene Anerkennung zukommen zu lassen. Schließlich bietet der Tag jeder und jedem, die/der sich auf den Weg macht, vielfältigen Begegnungen, Gespräche, Einblicke und Erkenntnisse, die bereichern und vielleicht auch beeindrucken.

„Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat das gerade in Thüringen schon lebhaft begangene 100. Bauhaus-Jubiläums in diesem Jahr zu Anlass genommen, Umbrüche in Kunst und Architektur und damit einher- bzw. diesen vorausgehend auch in der Gesellschaft zu thematisieren. Moderne meint immer Wandlungsprozesse, die zu ihrer Zeit als Reform, Neuanfang gemeint waren und verstanden wurden. So werden Denkmale in den Fokus gerückt, die technische Fortschritte, innovative Konstruktionen oder Materialien oder aber auch revolutionäre Ideen und gesellschaftliche Umbrüche repräsentierten.

Das Programm in Jena
Jenas Stadtlandschaft zeigt eine Vielzahl an derartigen Brüchen, Neuerungen in seinem baulichen Erbe und seiner Kunstlandschaft. Insofern ließen sich dem diesjährigen Motto wieder wunderbare Beispiele zuordnen. Manches Denkmal wird auch erneut, aber aus anderen Blickwinkeln und unter anderen Fragestellungen betrachtet. Wir haben versucht, gemeinsam mit „unseren“ engagierten Denkmaleigentümern, Handwerkern und Restauratoren ein dem Motto angemessenes buntes Programm aufzustellen. Vielen Dank an alle! Knapp 40 Denkmale von Ammerbach, Burgau, Drackendorf bis Winzerla, Ziegenhain und Zwätzen öffnen sich den interessierten Besucherinnen und Besuchern.
Den Jenaer Nahverkehr entdecken und mit dem Nahverkehr die Jenaer Denkmallandschaft erkunden

In diesem Jahr erfahren wir besondere Unterstützung vom Jenaer Nahverkehr/dem Verkehrsverbund Mittelthüringen. Der VMT lädt am Denkmaltag zum VMT-Entdeckertag ein. Mehr hier: https://www.vmt-thueringen.de/entdeckertag/#a2515. Gleichzeitig öffnet der Jenaer Nahverkehr das Straßenbahndepot in der Dornburger Straße 17.

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Straßenbahndepot, 1. Wagenhalle (Foto: EZ)

Die 1900/01, 1930 und 1948 errichteten Hallen widerspiegeln mit ihren Bauweisen in Backstein und Stahlbeton die bautechnischen Entwicklung verkehrstechnischer Bauwerke im 20. Jh. Bauzeitlich besondere Beachtung fand dabei die 3-schiffige Stahlbeton-Halle mit mehrfach gekrümmten Schalendach im Zeiss-DYWIDAG-System. Die in den Werkstatthallen befindliche technische Ausstattung, z. B. ein Schleifkanal nebst darin verankerter Schleifmaschine, Induktionsspule oder Wartungsbühnen sind noch funktionstüchtig. Zudem pendeln die historischen Triebwagen Nummer 26 aus dem Jahr 1929 und Nummer 101 aus dem Jahr 1959 zwischen Nordschule und Lobeda-West. Historischer Linienverkehr – Aushang_final

Ein Kumulationspunkt des Denkmaltages 2019 – der historische Ortskern Burgau – lässt sich also mit historischen Triebwagen anfahren. Zum Tag der offenen Höfe kann man zwischen 13:00 und 17:00 in den Drei- und Vierseithöfe entlang der Geraer Straße/Brunnengasse in Burgau Musik und Handwerkskunst erleben. Auch die Dreifaltigkeitskirche und das Pfarrhaus sind geöffnet. Im Saale-Kraftwerk lässt sich nachvollziehen, wie der u.a. für die Betreibung der Straßenbahnen notwendige elektrische Strom erzeugt wird. Führungen werden hier zwischen 12:00 und 14:30 angeboten. Und während oben auf dem Bergsporn die so genannte „Binderburg“ drohnt und es im Burggarten Kuchen zu Musik gibt, führt der Hausherr durch die darunter liegende Höhle.

Die Universität in der Stadt
Die Universität hat die Geschichte der Stadt und das Stadtbild über Jahrhunderte mitbestimmt und geprägt. Umdenken, Weiterdenken, Neu denken – sind Begriffe, die unmittelbar mit der Universität in Verbindung gebracht werden. Zu den Objekten, die in sich über Jahrhunderte gesammelte Spuren zahlreicher Brüche, wie z.B. Umnutzungen, veränderten Architektursprachen, aber auch stadt- und universitätsgeschichtlichen Veränderungen tragen, gehört die Alte Wucherey am Fürstengraben 23. Der Architekt Peter Tandler und der Bauforscher Lutz Scherf werden ihre aktuellen Untersuchungsergebnisse bei Führungen vom Keller- bis zum ersten Obergeschoss dem interessierten Publikum erläutern. Die Führungen werden in der Zeit von 10 bis 14 Uhr stündlich angeboten. Geöffnet wird auch das auf die Initiative und Ideen von Ernst Haeckel zurückgehende Phyletische Museum Vor dem Neutor 1.

Kirchen, Klöster, Friedhöfe
Jenas Kirchenlandschaft ist eine wahre Schatzkiste. Am Sonntag gewähren einige wieder ganz besondere Einblicke. Die Stadtkirche St. Michael ist mit Führungen durch den Kircheninnenraum, aber auch in die Krypta zu erkunden. Durch ein besonderes Kleinod, die spätromanische Kirche St. Nikolaus in Ammerbach führt 15:00 Frau Dimmig.

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St. Marien, Ziegenhain (Foto: EZ)

Für Umbrüche steht auch die Marienkirche in Ziegenhain. Die unvollendet gebliebene Wallfahrtkirche mit ihrem spätgotischen Chor zeugt von Reichtum und Niedergang, aber auch Pragmatismus. Die Kirche ist von 10-17 Uhr geöffnet. Am Vormittag werden halbstündlich Führungen angeboten. Geöffnet haben auch die mit herrlichen Secco-Malereien ausgestattete Kirche St. Peter in Lobeda und die bereits im 12. Jh. errichtete Kirche St. Marien in Zwätzen mit einer der ältesten Kirchentüren Mitteldeutschlands, St. Nikolai in Lichtenhain mit seinen kulturhistorischen herausragenden Außenwandmalereien und die Kirche in Winzerla. Das reichhaltige Programm, das der Förderverein Johannisfriedhof auf selbigen wieder auf die Beine stellt, schauen Sie sich am besten in der Broschüre an. Wechselvoll ist auch die Geschichte des Jenaer Karmelitenklosters am Engelplatz. Besonders eng ist das Areal mit einem der radikalsten und wirkungsmächtigsten Umbrüche der europäischen Geschichte verbunden – der Reformation. Herr Rupp erläutert die bauhistorischen Befunde um 10:00.

Industrialisierung – Stadterweiterungen – Elektrifizierung – Infrastrukturen
Technische, technologische Entwicklung haben unsere Lebensbedingungen und damit auch die Stadtstruktur und -gesellschaft geprägt. Diese Entwicklungen, technischen/technologischen „Revolutionen“ veränderten natürlich auch die hiesige soziale, kulturelle und verkehrliche Infrastruktur. So wandelte die Industriearchitektur der Firma ZEISS nicht nur das Antlitz der Stadt Jena, sie beeinflusste auch die Entwicklung des industriellen Bauens. Eine wachsende Stadt, wachsende Industrie und die neue elektrische Straßenbahn ließen den Bedarf an elektrischer Energie enorm anwachsen. Die Firma ZEISS bemühte sich daher seit den 1890er Jahren um deren Erzeugung. 1909 erwarb die Fa. Carl ZEISS das Anwesen des Burgauer Mühlengehöftes,

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Wasserkraftwerk Burgau, Turbinenhalle (Foto: EZ)

das zu diesem Zeitpunkt bereits mit einer Turbinenanlage und Generatoren Strom erzeugte. Um den wachsenden Bedarf zu decken, ließ ZEISS neben der alten Mühle von Dyckerhoff & Widmann ein Wasser-Kraftwerk mit Drehstromgenerator der AEG Berlin und 3 Francis-Turbinen von Amme, Giesecke & Konegen errichten. Zusammen mit der alten Anlage erzeugte das Kraftwerk Burgau ab 1912 1000kW. Bei der grundlegenden Überholung des Kraftwerkes 1938 wurden die Francis-Turbinen durch Kaplan-Turbinen ersetzt. Das Saale-Kraftwerk Burgau wurde damit zu einem der modernsten Kraftwerke seiner Zeit. Wie bereits beim Punkt Burgau hingewiesen, ist es am Sonntag zu besichtigen.

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ehem. Umspannwerk, Imaginata, 110 kV-Halle (Foto: EZ)

1926 konnte nach nur 7 Monaten Bauzeit die nach Plänen von Bruno Röhr errichtete 50kV-Halle des Umspannwerkes Jena Nord ans Netz gehen. Verbunden mit der 50kV- Schaltanlage Burgau (ZEISS) konnte in Jena so ein stabiles 10kV-Netz aufgebaut werden. Das Umspannwerk entwickelte sich in den 1930er Jahren zum Knotenpunkt der regionalen Stromversorgung. 1942 wurde es durch den Bau einer 110kV-Halle ergänzt und schließlich auf 110kV-Einspeisung umgestellt. Heute nutzt die Imaginata e.V. das Technische Denkmal und bietet 13, 15 und 17 Uhr Führungen an, für die um Voranmeldung gebeten wird.
Die Erfindung des Automobils veränderte nicht nur Reisezeiten und Reiseverhalten, sondern auch das Antlitz unserer Städte und Landschaften, da hierfür eigene Infrastrukturen geschaffen bzw. vorhandene angepasst wurde. Beispielsweise der Bau so genannter Autobahnen. Landschaften wurden neu modelliert, Täler und Flüsse in bisher ungekannten Dimensionen überspannt. Das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr öffnet am Sonntag von 9:00 bis 14:00 die Alte Autobahnbrücke der BAB 4 in Göschwitz. Man kann in das Innere der Brücke „eintauchen“ und interessante Präsentationen sehen. Die mit 794m längste Brücke des so genannten Reichs-Autobahnprogramms in Thüringen wurde von 1937-1939/41 aus Stampfbeton, Stahlbeton und Klinker errichtet. Zudem kamen 18.000 m³ Kalk- und Sandstein als Baumaterial zum Einsatz, mit denen der Bau verkleidet und entsprechend skulptural und ornamental gestaltet wurde. Wuchtig, trotzig und massiv sollte die Brücke wirken und sich gleichzeitig harmonisch in die Landschaft einfügen. Als Vorbild galten die Bauten des antiken Rom. Die Brücke war mehr als ein Verkehrsbau, sie war symbolisch und ideologisch aufgeladen. Selbst die Wasserspeier verweisen auf den hohen symbolischen Gehalt des Brückenbaus.
Das einzige zu DDR-Zeiten entstandenen repräsentativen Bahnhofsgebäude auf dem Gebiet des heutigen Thüringens ist ebenfalls zu besichtigen. Der heute vom Interkult e.V. als Kulturbahnhof bewirtschaftete und gepflegte Saalbahnhof weist noch immer eine umfassende bauzeitliche Ausstattung auf. Zwischen 10:00 und 15:00 werden Führungen angeboten.
Eine Herausforderung der mit der industriellen Revolution verbundenen Urbanisierung stellte die fehlende hygienische Infrastruktur dar. Insbesondere infolge der Cholera-Epidemien im 19.Jh. setzte weltweit ein Umdenken ein. So wurden an Universitäten Lehrstühle für Hygiene eingerichtet. Die Städte wurden mit geschlossenen

Mikrobiologie

ehemal. Hygienischen Institut, Semmelweißstr. 4 (Foto: EZ)

Kanalsystemen ausgestattet und schließlich auch öffentliche Badeanstalten eingerichtet. Am Beispiel des Jenaer Professor August Gärtner, der sich auch gerade lokalpolitisch auf diesen Gebieten engagierte, werden bauliche Spuren dieser Entwicklung in Jena gesucht. Die Führung nimmt ihren Ausgangspunkt an der Semmelweißstraße im Hygienischen Institut, das selbst kurz vor einem grundlegenden Umbau steht und führt anschließend zum Volksbad, dass einen solchen Umbruch schon hinter sich hat.

 

 

„Baustellen“
Baustellen-Führungen gehören zu den Lieblingskategorien am Tag des offenen Denkmals. Glücklicherweise konnten wir auch wieder einige Bauherren überzeugen, Ihre Baustellen zu öffnen: Eine zentrale Baustellen und gleichzeitig eine der interessantesten Anlagen ist das Volkshaus am Carl-Zeiß-Platz. Das zwischen 1901 und 1903 auf Initiative von Ernst Abbe nach Plänen Arwed Roßbachs entworfene Gebäudeensemble sollte der „Belehrung und geistigen Anregung der Arbeiter“ dienen. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten an der Fassade und im Inneren des Saalgebäudes steht nun der Umbau der Lesehalle an. Im Augenblick besteht die einzigartige Möglichkeit den Bau nach Leerräumung und vor Baumaßnahmen zu betrachten. Die Projektverantwortlichen bieten 10:00, 10:30, 11:00 und 11:30 Führungen an.
Am nördlichen Ende der Stadt liegt eine weitere schwierige „Baustelle“ – das überregional bedeutsame Alte Gut Zwätzen. Es hat seinen Ursprung in der Komturei des Deutschen Ritterordens, die 1221 erstmals urkundlich erwähnt wurde. In der 1. Hälfte des 13. Jh. wird Zwätzen Verwaltungszentrum der neu eingerichteten Ballei Sachsen-Thüringen und bleibt trotz späteren wirtschaftlichen Niedergangs bis 1809 Sitz des Landkomturs. Die Niederlassung Zwätzen entwickelte sich spätestens im 16. Jh. zu einer großflächigen Gutsanlage, die in ihrer Grundstruktur trotz Überformung bis heute erhalten ist. Nach der Auflösung des Ordens gelangte das Gut zunächst in sächsisch-königlichen Besitz und 1815 in den Besitz des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Durch Pacht und Gewährleistungen wurde das Gut Zwätzen ab der 1. Hälfte des 19. Jh. über verschiedene politische Systeme hinweg für die landwirtschaftliche Ausbildung und Forschung genutzt. Seit 2018 erfährt der Gebäude-Komplex umfassende Umbaumaßnahmen. Hier gibt es 10:00 und 14:00 Führungen.
Seit 2017 abgeschlossen sind di

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Saal, Verbindungshaus Agronomia Jenensis, „Ricarda-Huch-Haus“ in einer Zwischenphase (Foto: EZ)

e umfassenden Baumaßnahmen im so genannten „Ricarda-Huch-Haus“ am Löbdergraben 7. Das ehemalige Verbindungshaus des „Corps Agronomia Jenensis“ wurde 1913 /14 nach Plänen von Johannes Schreiter errichtet. Zahlreiche Umnutzungen haben seither Spuren hinterlassen und andere beseitigt. In einer umfangreichen Sanierung wurde das Gebäude 2017 in Teilen in seinem ursprünglichen Erscheinungsbild wieder hergestellt. Die Besucher werden sicher überrascht sein.

 

2019: 100 Jahre Bauhaus – 100 Jahre Architekturbüro Schreiter & Schlag – natürlich in Jena ein besonderes Thema
…und manchmal verbinden sich die beiden: so handelt es sich bei der im Villenviertel am Landgrafen gelegenen, in ihrer Gestaltung dem Geist des Bauhauses folgende Villa Weinbergstraße 18 um ein von Schreiter & Schlag konzipiertes Wohnhaus für die Familie von Prof. Mentz. Seine Gattin war die Malerin und Graphikerin Frieda Mentz-Kessel. Einige ihrer Arbeiten zieren noch heute die Wände des Hauses. 11:00, 13:00 und 15:00 Uhr bieten die heutigen Eigentümer, Familie Misselwitz, Führungen durch das Haus an.
Dass Schreiter & Schlag aber keine reine Lehre vertraten, sondern beide je nach den Wünschen Ihrer Auftraggeber in Entwurf und Gestaltung überaus anpassungsfähig waren, zeigt die Leiterin des Bauaktenarchiv auf ihrem Stadtrundgang „Vom Heimatstil zur klassischen Moderne“. Er beginnt 10:00 in der Ausstellung im Planetarium. Das Büro Schreiter & Schlag zeichnet sich für ca. 1500 der zwischen 1919 und 1952 im Stadtgebiet entstandenen Gebäude verantwortlich. Die Spannbreite reicht dabei vom Industriebau bis zum Siedlungshaus mit Kleintierstall, vom Planetarium bis zur Fuchsturmklause. Für den Stadtrundgang wird um Anmeldungen gebeten. Dies ist am 04. und 05. September 2019 von 09:00 bis 12:00 und 14:00 bis 16:00 Uhr unter der Telefonnummer 03641 495141 möglich.
Den Grundlagen des Bauhausgedankens und seinen Jenaer Beispielen widmet sich eine Führung des Jenaer Stadtführers Herr Herzog. Sie beginnt 10:00 am Abbe-Denkmal von van de Velde und führt durch das Villenviertel an Abbeanum und Studentenhaus vorbei. Das Studentenhaus von Bartning und Neufert selbst wird 14:00 von MitarbeiterInnen des Studentenwerkes vorgestellt. Es besticht bis heute durch seine lichtdurchfluteten tiefen Räume, seine Funktionalität und Ästhetik.
Die intensive Auseinandersetzung des Architekten mit der klassischen Moderne und insbesondere der Formensprache von Mies van der Rohe kann das 1974 von Friedhelm Schubring entworfene Glashaus im Paradies nicht leugnen. Es ist eines der jüngeren Schätze der Jenaer Denkmallandschaft. Der sich seit 2005 um das Kleinod kümmernde Verein Glashaus im Paradies öffnet am Sonntag von 14:00 bis 17:00.
Auch ein Ausflug auf den Forst lohnt sich wieder. Sowohl Forst- als auch Bismarckturm und Forststernwarte sind geöffnet. Und im kleinen idyllischen Laasan zeigt sich das Rat- und Brauhaus nach umfassender statischer Ertüchtigung und Fassadensanierung in neuem Glanz.
In bewährter Weise unterstützt auch JenaKultur wieder den Tag des offenen Denkmals und öffnet sowohl das Abbe-Denkmal auf dem Carl-Zeiß-Platz als auch Johannistor, Pulverturm und Stadtmauer. Im Jubiläumsjahr beteiligt sich zudem die Volkshochschule und öffnet die Grietgasse 17a.
Hinweis: Ergänzungen und Änderungen zum gedruckten Programm !
Zusätzlich öffnet der Heimatverein Drackendorf von 10:00 bis 14:00 den historischen Pavillon im Drackendorfer Park. 15:00 wird es zudem ein Konzert unter dem Thema „Denk mal Mozart“ geben.
Auch der Schillergarten und Schillers Gartenhaus sind am Sonntag von 11:00 bis 17:00 geöffnet. 11:00 und 14:00 werden Führungen durch Haus und Garten angeboten, 15:00 erläutert Sven Schlotter in seinem Vortrag „Hofrat Schmidt und die Schwestern Wunderlich“ die Geschichte eines Denkmals im Schillergarten“

Das Straßenbahndepot ist von 12:00 bis 17:00 geöffnet!!!

Hier das Programmheft Broschüre_Denkmaltag 300819

Hier das PLakat Plakat A2-TdoD 300819

Entdecken, was uns verbindet

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Der Tag des offenen Denkmals wird in der Bundesrepublik von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordiniert. Er wird aber europaweit begangen. Seit 1999 gibt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz für den Tag des offenen Denkmals ein Motto/Leitthema aus, dem sich Kommunen anschließen können.

Ziel dieser bundesweiten Veranstaltung ist es, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren, Interesse und Verständnis für die Belange der Denkmalpflege zu wecken, aber v.a. auch den Denkmaleigentümern, Restauratoren, ehrenamtlich Engagierten die gebotene Anerkennung zukommen zu lassen. Denn Denkmalschutz und Denkmalpflege funktionieren nur miteinander.

 

Entdecken, was uns verbindet“ – der Tag des offenen Denkmals im Europäischen Kulturerbejahr 2018

Entdecken, was uns verbindet“ – unter diesem Motto steht der bundesweite Tag des offenen Denkmals 2018. Damit nimmt er direkten Bezug zum Europäischen Kulturerbejahr „Sharing Heritage – Erbe teilen“, das von der Europäischen Union für 2018 ausgerufen wurde. Im Mittelpunkt steht das Erleben, die Erfahrung, Erfassung und Bewahrung unseres aus kulturellem und sozialem Austausch gewachsenen vielfältigen kulturellen Erbes. Ein breites Spektrum an Projekten innerhalb des Themenjahres und viele Veranstaltungen am Tag des offenen Denkmals möchten in Europa und eben auch vor der jeweils eigenen Haustür dazu anregen, das Verbindende zu entdecken – in Materialien, Formensprachen, Technologien, Utopien, Gebäuden und Personen…, aber auch anregen, Trennendes, Ausgrenzendes und Zerstörendes wahrzunehmen und zu reflektieren.

Als Universitätsstadt lebt Jena nicht nur von geistigem und kulturellem Austausch, sie ist darauf angewiesen und hat reichlich davon profitiert. Zeugnisse dieses Austausches sind dementsprechend auch an vielen Orten zu finden. Manche sind inzwischen Kulturdenkmal und warten drauf von Ihnen entdeckt und erfahren zu werden.

Das Programm in Jena

Wie jedes Jahr ist das Motto so gewählt, dass sich eine große Anzahl an Assoziationen und Anknüpfungspunkten finden lässt. Seien es der Fluss, das Wegenetz oder Verbindungsbauten, Ideen und Utopien wie jene der Reformation oder auch jüngere sozial- und lebensreformerische oder seien es eben auch Formensprachen und Technologien. Manchmal schlägt Architektur bewusst Brücken zu Vergangenem und verbindet so Tradition und Moderne, manchmal grenzt sie sich aber auch ebenso bewusst ab.

Wir haben versucht, gemeinsam mit „unseren“ engagierten Denkmaleigentümern, Handwerkern und Restauratoren ein dem Motto angemessenes buntes Programm aufzustellen. Allein am Sonntag können dank der breiten Unterstützung rund 30 Kulturdenkmale im gesamten Stadtgebiet erkundet werden.

So öffnet die Universität – nachdem sie im vergangenen Jahr absagen musste – das Universitätshauptgebäude. Frau Dr. Forster, Kustodin der FSU, wird hier 10:30 und 12:00 Uhr Führungen anbieten. Das Universitätshauptgebäude wurde zwischen 1905 und 1908 an Stelle des niedergelegten Schlosses errichtet. Entworfen von dem renommierten Architekten und Stadtplaner Prof. Theodor Fischer, rezipiert es Grundriss und Formensprache des Schlossbaus ohne selbst zu einem historistischen Kitsch zu verkommen. Gleichzeitig wird in der Freiflächengestaltung auf die ehemaligen Wehranlagen verwiesen. Ein reichhaltiger Bauschmuck, der verschiedene Einflüsse widerspiegelt, eine aufwendige Innengestaltung und verschiedene eingearbeitete Spolien aus dem abgetragenen Schloss erheben den Gebäudekomplex zu einem Gesamtkunstwerk. Im vergangenen Jahr wurde im Übrigen das seit den 1950er Jahren an der Stirnseite der Aula befindliche Monumentalgemälde Ferdinand Hodlers „Auszug der deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813“ restauriert und danach erstmals außerhalb Jenas in der Bonner Kunsthalle gezeigt. Auch über diese Arbeit werden Sie am Sonntag einiges erfahren.

Im vergangenen Jahr kurzfristig ebenfalls absagen musste das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr. Wie versprochen öffnet das ThLBV aber in diesem Jahr wieder die Alte Autobahnbrücke der BAB 4 in Göschwitz. Von 10:00 bis 14:00 Uhr kann man in das Innere der Brücke „eintauchen“ und interessante Präsentationen sehen. Die mit 794m längste Brücke des so genannten Reichs-Autobahnprogramms in Thüringen wurde von 1937-1939/41 aus Stampfbeton, Stahlbeton und Klinker errichtet. Zudem kamen 18.000 m³ Kalk- und Sandstein als Baumaterial zum Einsatz, mit denen der Bau verkleidet und entsprechend skulptural und ornamental gestaltet wurde. Wuchtig, trotzig und massiv sollte die Brücke wirken und sich gleichzeitig harmonisch in die Landschaft einfügen. Als Vorbild galten die Bauten des antiken Rom. Die Brücke war mehr als ein Verkehrsbau, sie war symbolisch und ideologisch aufgeladen. Selbst die Wasserspeier in abstrahierter Form des Reichsadlers verweisen auf den hohen symbolischen Gehalt des Brückenbaus.

Um Brücken geht es unter anderem auch bei der Radtour entlang der Saale. Als Stadt am Fluss bietet Jena viele Anknüpfungspunkte an das Motto des Denkmaltages. Das Miteinander und die Auseinandersetzung mit der Saale als verbindendem Verkehrsweg, als zu überbrückendes natürliches „Hindernis“ oder als Energie- und Rohstofflieferant brachte eine Vielzahl an materiellen Zeugnisse hervor, von denen einige Kulturdenkmale sind. Prägend für den Landschaftsraum sind dabei die großen Brücken über die Saale: im Zentrum die Camsdorfer Brücke, deren Vorgängerbau zu den 7 Wundern von Jena zählte, südlich die alte Burgauer Brücke, die heute als substantiell älteste Brücke im Stadtgebiet Jenas gilt und eben die schon erwähnte Autobahnbrücke bei Göschwitz. Die Tour beginnt 9:30 Uhr an und in der Kirche Kunitz. Sie führt vorbei am Thalstein mit seinem Erlkönig durch Wenigenjena zu Camsdorfer Brücke und Landfeste, durch den Volkspark Oberaue über die Burgauer Brücke zum Kraftwerk. In der Binderburg wird uns Herr Willsch eine Kurzführung geben. Dabei wird erzählt und gezeigt. Niemand muss die ganze Strecke mitfahren, aber ein zeitgenauer Plan kann leider auch nicht gegeben werden.

Verbindend auf der einen Seite, ausgrenzend auf der anderen Seite stellt sich die mittelalterliche Stadtbefestigung dar. Ihre einstigen Dimensionen lassen sich heute nur noch anhand der Reste auf der westlichen Altstadtseite erschließen. Johannistor und der in diesem Jahr sanierte Pulverturm haben ganztägig geöffnet. 11:00 Uhr gibt es eine Führung vom Pulverturm zum Anatomieturm (mit Besichtigung des selbigen) mit dem Jenaer Stadtarchäologen Matthias Rupp.

Denkmale der Religionsgeschichte

Religionen können verbinden, aber leider auch ausgrenzen. Sie können Nächstenliebe befördern, aber auch Hass und Gewalt. In Jena beteiligen sich zahlreiche religionsgeschichtlich bedeutsame Orte am Tag des offenen Denkmals. Da wären zum Beispiel die im vergangenen Jahr nach denkmalgerechter Sanierung der Öffentlichkeit zugänglich gemachten baulichen Reste des ehemaligen Karmelitenklosters. Nach Aufhebung des erst 1414 gegründeten Klosters im Ergebnis der Reformation wurde in den Räumlichkeiten ab 1553 im Auftrag Herzogs Johann Friedrich von Sachsen eine Druckerei eingerichtet. Diese diente der Publikation einer neuen Gesamtausgabe des Lutherwerkes. Dazu erteilte der Herzog im November 1553 dem Buchdrucker Johann Rödinger das Privileg zum alleinigen Druck und Vertrieb von Luthers Schriften. Ab 1555 entstanden hier unter Aufsicht von Georg Rörer und Nicolaus von Amsdorf deutsche und lateinische Teile der Jenaischen Ausgabe der Schriften Martin Luthers sowie eine korrigierte Lutherbibel. Daneben wurden in dem ehemaligen Kloster zahlreiche weitere Werke der Reformation gedruckt. Heute sind Sakristei und Kapitelsaal als authentischer Ort klösterlichen Lebens sowie der Reformbestrebungen des 16. Jh. für die Öffentlichkeit wieder erlebbar und präsentieren den Besuchern zudem spannende archäologische Funde, Archivalien und anderen Dokumenten der Stadt- und Reformationsgeschichte. Das Kloster ist von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, 11:00 und 15:00 Uhr bietet Dr. Häder, Leiter des Stadtmuseums Jena Führungen an.

Am anderen Ende der Stadt liegt ein weiterer überregional bedeutsamer Ort der Religions-, aber auch Wissenschafts- und Wirtschaftsgeschichte: das Alte Gut Zwätzen. Es hat seinen Ursprung in der Komturei Zwätzen des Deutschen Ritterordens, die 1221 erstmals urkundlich erwähnt wurde. In der 1. Hälfte des 13. Jh. wird Zwätzen aufgrund seiner Bedeutung Verwaltungszentrum der neu eingerichteten Ballei Sachsen-Thüringen und bleibt trotz späteren wirtschaftlichen Niedergangs bis 1809 Sitz des Landkomturs. Die Niederlassung Zwätzen entwickelte sich spätestens im 16. Jh. zu einer großflächigen Gutsanlage, die in ihrer Grundstruktur trotz Überformung bis heute erhalten ist. Nach der Auflösung des Ordens gelangte das Gut zunächst in sächsisch-königlichen Besitz und 1815 in den Besitz des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. In dieser Zeit kam auch die alte Zwätzener Tonröhren-Fabrik aus der Ordenszeit zu neuen Ehren, in der man seit etwa 1770 neben Krügen und Ofenkacheln auch Drainageröhren gebrannt hatte. Oberbaudirektors Coudray, zuständig für die Koordination des gesamten Wege-, Wasser- und Zivilbauwesen im Großherzogtum, ordnete nach einer Besichtigung im Jahre 1818 die Wieder-Inbetriebnahme an. Neue „Röhrenfahrten“ mit Tonröhren aus Zwätzen wurden daraufhin u.a. im Botanischen Garten, aber auch auf der Strecke zwischen Belvedere und Römischen Schloss in Weimar angelegt. Entdecken, was uns verbindet – manchmal sind es eben Tonröhren. Durch Pacht und Gewährleistungen wurde das Gut Zwätzen übrigens ab der 1. Hälfte des 19. Jh. über verschiedene politische Systeme hinweg für die landwirtschaftliche Ausbildung und Forschung genutzt. Unter anderem nahm hier die Haflingerzucht der DDR mit der Stationierung aus Tirol importierter Zuchttiere ihren Anfang. Derzeit steht der Guts-Komplex steht vor einer umfassenden Umnutzung und Sanierung. Das Gut ist von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.

Dass Kirchen und Friedhöfe dabei sind, versteht sich. Das reichhaltige Programm an Vorträgen und Konzerten, das in der Stadtkirche St. Michael und auch auf dem Johannisfriedhof geboten wird, sollten sich Besucher in der Broschüre genauer ansehen. Geöffnet haben aber auch die wundervolle mit herrlichen Secco-Malereien ausgestattete Kirche St. Peter in Lobeda (10:00 – 17:00 Uhr), die vorwiegend im 15. Jh errichtete Kirche St. Marien in Ziegenhain mit ihren Wandmalereien an der Nordwand, dem gotischen Flügelaltar und dem barocken Pyramidenaltar (10:00 – 17:00 Uhr), die 1716-1718 als Ersatz für einen älteren Bau errichtete Kirche in Winzerla (10:00 – 18:00 Uhr) sowie die Dreifaltigkeitskirche in Burgau (10:00 – 18:00 Uhr).

Park- und Gartenanlagen

Eine besondere Denkmalkategorie sind die historischen Park- und Gartenanlagen. Drei dieser Parks sind in diesem Jahr dabei. Dr. Schlotter von der Friedrich-Schiller-Universität führt um 11:00, 13:00 durch Schillers Gartenhaus mit Garten, der Volkspark Oberaue ist Thema bei der Radtour und im Drackendorfer Park stellen Frau Winkler vom Landschaftsarchitekturbüro Boock und der städtische Baumschützer Herr Ecke 11:00 Uhr und 13:00 Uhr die zur Umsetzung des Entwicklungs- und Pflegekonzeptes geplanten Maßnahmen vor. Außerdem wird der Heimatverein wieder vor Ort sein Geschichte und Geschichten von und aus Drackendorf erzählen.

Baustellen

Baustellen-Führungen gehören zu den Lieblingskategorien am Tag des offenen Denkmals. Glücklicherweise konnten wir auch wieder einige Bauherren überzeugen, Ihre Baustellen zu öffnen:

Eine der derzeit größten Baustellen und gleichzeitig eine der interessantesten Anlagen ist das Volkshaus am Carl-Zeiß-Platz. Das zwischen 1901 und 1903 auf Initiative von Ernst Abbe nach Plänen Arwed Roßbachs entworfene Gebäudeensemble sollte der „Belehrung und geistigen Anregung der Arbeiter“ dienen. Derzeit laufen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an der Fassade und im Inneren des Saalgebäudes. Die Projektverantwortlichen werden diese in Führungen erläutern. 11:00, 11:30, 12:00 und 12:30 gibt es Führungen zu Innensanierung und Umbau (max. je 25-30 Personen), 11:00, 11:20, 11:40, 12:00, 12:20 und 12:40 zur Fassaden und Dachsanierung (max. je 10 Personen). Aufgrund der notwendigen Begrenzung sind Voranmeldungen erforderlich. Diese werden am 06.09. von 9:00 bis 12:00 und von 14:00 bis 17:00 unter der Telefonnummer (03641) 49-5141 oder per mail denkmalamt@jena.de entgegen genommen.

Spannend sind die bisherigen restauratorischen Befunde in der Villa Medusa (Ernst-Haeckel-Haus). Das im Stil einer römischen Renaissance-Villa errichtete einstige Wohnhaus Haeckels wurde seit 1920 als Museum für dne wissenschaftlichen und künstlerischen nachlass Haeckels genutzt. Für die anstehende Sanierung sind umfangreiche restauratorische Untersuchungen zur originalen Raumgestaltung vorgenommen worden. Dipl.Restaurator M. Bruckschlegel wird Ergebnisse dieser Arbeit bei führungen 10:00 und 11:30 Uhr vorstellen.

Bauhaus

In einem anderen Villenviertel – am Landgrafen – öffnet die in ihrer Gestaltung dem Geist des Bauhauses folgende Villa Weinbergstraße 18 Ihre Pforten. Schreiter & Schlag konzipierten das Wohnhaus für die Familie von Prof. Mentz. Seine Gattin war die Malerin und Graphikerin Frieda Mentz-Kessel. Einige ihrer Arbeiten zieren noch heute die Wände des Hauses. 11:00, 13:00 und 15:00 Uhr bieten die heutigen Eigentümer, Familie Misselwitz, Führungen durch das Haus an.

Weil wir grad bei „Bauhaus“ sind. Das nach Plänen des Gropius-Schüler Ernst Neuffert errichtete Abbeanum öffnet ebenfalls. 14:00 und 15:00 Uhr kann man an Führungen durch das Lehr- und Forschungsgebäude auf dem Helmholtzweg teilnehmen.

Industriebau

Jena ist seit 150 Jahren eine Industriestadt. Die Industriebauten von Zeiss und Schott waren einst wegweisend in ihrer Technologie und Ästhetik. Bei den Architektur-Führungen im ehemaligen Zeiss-Hauptwerk kann man sich 10:00, 11:00, 14:00 und 14:30 davon ein Bild machen. Besichtigt werden Bau 7, 10 (mit Werksstaernwarte), 29 und die Dachterrasse des Verwaltungshochhauses.

Von Nord nach Süd und Ost nach West

Schließlich sei noch auf unsere Ortschaften verwiesen: In Jenaprießnitz öffnet der hiesige Verein das Kommunbrauhaus von1764 von 10:00 bis 17:00 Uhr. In Laasan kann vor der anstehenden Sanierung von 10:00 bis 16:00 Uhr das Rat- und Brauhaus besichtigt werden. In Lobeda erläutert der Förderverein die Sanierungsmaßnahmen im Gasthaus „Zum Bären“. Eintreten kann man hier von 11:00 bis 15:00 Uhr.

Und auch die Berggesellschaften unterstützen diesen Tag: Auf dem Landgrafen gibt es Erläuterungen zur Geschichte und Arbeit des Verschönerungsvereins und der Berggesellschaften, Forstturm und Bismarckturm regen zum Nachdenken über Erinnerungskultur an und bieten „nebenbei“ schönste Aussichten. Und in der ForstSternwarte können Sonnenbeobachtungen durchgeführt werden .

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Einleger_TdoD 2018_korr22-08-18

 

 

Von Authentizität und Illusion – Gedanken zu den Wiederaufbauplänen „Palais Kaskel-Oppenheim“

Das Palais Oppenheim, 1845-1848 nach Plänen Gottfried Sempers auf dreieckigem Grundriss im Stil der Neorenaissance für den aus Königsberg stammenden Bankier Martin Wilhelm Oppenheim errichtet, zählte zweifelsfrei zu den kultur- und architekturgeschichtlich besonders wertvollen Profanbauten Dresdens.

Detailliert dem Vorbild italienischer Palazzi folgend und doch in besonderer Weise die örtlichen Gegebenheiten reflektierend, zeichnete der Bau ein Ideal der Villenarchitektur des 19. /frühen 20. Jh. Gleichzeitig entwickelte sich das Oppenheimsche Palais zu einem Zentrum des geistigen und kulturellen Austauschs.

Gebäude und Gartenanlage wurden im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Von dem Palais standen fast nur noch die Umfassungsmauern.

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© SLUB / Deutsche Fotothek / Hahn, Walter
Lizenz: Freier Zugang – Rechte vorbehalten.

Aufgrund der herausragenden, überregionalen Bedeutung des Baus für die Architektur- und Kulturgeschichte bemühten sich Denkmalschützer, insbesondere Dr. Hans Nadler (Landesamt für Volkskunde und Denkmalpflege Sachsen), zumindest diese Substanz zu sichern und zu erhalten. Im April 1951 wurde die überkommene Substanz jedoch zugunsten eines geplanten, später nie realisierten Pionierpalast-Baus gesprengt.
→ zur kultur- und kunstgeschichtlichen Würdigung des Palais Oppenheims siehe
www.gottfriedsemperclub.de/…/P.O.%20Bedeutung%20%20B-Pl.%20389%20A,.pdf
• Laudel, Heidrun: Gottfried Semper – Architektur und Stil, Dresden 1991
• Dies.: Bauen in Dresden im 19. und 20. Jahrhundert, Dresden 1991
• Dies.: Werkkatalog Gottfried Semper. In: Gottfried Semper 1803–1879, 2003

Nun soll das Palais wieder aufgebaut werden. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau beschloss am Mittwoch, d. 31.01. 2018 einstimmig, als ersten Schritt die planungsrechtlichen Möglichkeiten für den Wiederaufbau des Palais Oppenheim zu sichern.
→ vgl. http://www.dnn.de/Dresden/Lokales/Palais-Oppenheim-soll-auferstehen
http://www.sz-online.de/nachrichten/erster-schritt-zum-palais-oppenheim-3871500.html

Jubel, all überall!? …nun ja… Verglichen mit den Diskussionen um Rekonstruktion und Authentizität angesichts des Wiederaufbaus der Frauenkirche und des sich anschließenden etwas sonderbaren „Wiederaufbaus“ des Neumarkts bei gleichzeitiger Beseitigung überkommener Bausubstanz zugunsten von Tiefgaragen herrscht jetzt großes Schweigen. Und ja – viell. ist ja tatsächlich alles gesagt.

Dennoch finde ich die etwas sehr unkritische Befassung/Auseinandersetzung mit dem Thema Rekonstruktion schade, ein wenig enttäuschend sogar. Insbesondere angesichts der Vielzahl an zu hinterfragenden Rekonstruktionsplänen in Potsdam, Berlin und Dresden (das Narrenhäusel ist ja auch schon beschlossene Sache).

Man könnte jetzt einen sehr langen Ritt durch die Geschichte der Denkmalpflege antreten, um sich der Problematik von Rekonstruktion – dem manchmal Für und sehr oft Wider, dem Neben-/Mit- oder Gegeneinander von Sein und Schein zu nähern. Aber das sprengt jeden Rahmen. Außerdem ist es ja nicht nur eine Fragestellung innerhalb der Denkmalpflege.

Es geht um Fragen der Ästhetisierung, Gleichschaltung, Glättung, Verdrängung, um Ideale, Werte, Akzeptanz. Klingt groß, vielleicht ein wenig zu aufgeladen?

Ja, vielleicht… aber was steht hinter dem Wunsch nach Rekonstruktion? Die Nivellierung von Fehlern/ Ereignissen/Entwicklungen der Vergangenheit, die Sehnsucht nach harmonischen Bildern oder doch nur ganz profane wirtschaftliche/Vermarktungsinteressen… (hierzu kann mensch auch mal Mitscherlich, M. & A. lesen) Das ist alles vielleicht menschlich, aber es ist in dem Maße wie diese Sehnsucht, diese Interessen seit einiger Zeit unreflektiert bedient werden, gefährlich.

Grundproblem 1 ist die reale Gefahr, dass Illusionen überhand nehmen und wir irgendwann nur noch von Idealbildern und Illusionen umgeben sind. Das harmonische, einheitliche Denkmalbild oder auch Stadtbild als Ziel. Das Bild, als das einzig Zählende. Authentizität, Substanz, reale Spuren und damit auch Lebenszyklen spielen keine Rolle mehr. Die Komplexität der Denkmalwirklichkeit wird im besten Fall ignoriert, oft aber negiert und/oder bereinigt. Und das Denkmal/Stadtbild transportiert nurmehr ein bereinigtes Geschichtsbild, wenn es überhaupt noch solche Inhalte transportiert und es nicht einfach nur noch um Marktwerte geht

Grundproblem 2: In einer solchen Welt sinkt die Akzeptanz für Unperfektes, Ungerades, für Vielschichtigkeiten, für Risse, Kanten und Haken, für „unharmonisches“ Nebeneinander, für Altersspuren, für Fehlstellen… In solch bereinigten Bilderwelten sinkt auch die Bereitschaft, sich in erhaltene komplexe (Bau-)Strukturen hineinzudenken, die differenzierte Realität differenziert wahrzunehmen.

Jetzt bin ich doch bei den großen Fragen gelandet…zurück zum verlorenen Denkmal

Grundproblem 3:  Von den Befürwortern des Neuaufbaus wird gerade der besondere kulturhistorische Wert des Palais Oppenheim als Argument aufgeführt. Doch, indem man es rekonstruiert, wird gerade die herausragende schöpferische, künstlerische, handwerkliche Leistung geschmälert. Das einzigartige Kulturdenkmal gilt plötzlich als schnell und leicht reproduzierbar, austauschbar. Doch das ist eine Anmaßung. Und ist es denn nicht eine weitaus größere Wertschätzung, wenn man sich am Ort des verlorenen Bauwerkes schon mit Selbigem, aber eben auch mit dem heutigen Ort in seiner Tiefe auseinander setzt und die Geschichte gleichsam der gegenwärtigen Umgebung reflektiert und daraus etwas Neues erdenkt?

 

„Macht und Pracht“ – ein paar wenige Gedanken zum Motto für den Tag des offenen Denkmals 2017

Das Motto 2017

Das Motto „Macht und Pracht“ widmet sich der Frage nach der Sichtbarkeit bzw. Ablesbarkeit von Machtverhältnissen in unserer gestalteten Umgebung.

Architektur ist eine offensichtliche und machtvolle Form der Massenkommunikation. Sie ist ein Spiegel von Macht und Ohnmacht, von Machtstrategien, Machtverfestigung und -verlusten sowie der jeweiligen Auswirkungen auf jene, die sie ausüben und die ihr unterliegen.

Architektur wirkt daher auch auf unser Bewusstsein, weckt Assoziationen, zeigt uns Unzugänglichkeiten, Zugänge, Grenzen und Möglichkeiten auf. Ein Aspekt, den Stadtplanung beachten sollte. Genannt werden sollen hier nur beispielhaft Begriffe wie Uniformierung, Individualiserung, Erniedrigung, Ernüchterung, Animation, Wohlfühlen, Abschreckung, Abwehr, Einladung etc.

Doch nicht nur die Architektur, sondern auch der Umgang mit dem gebauten Erbe in sich wandelnden Gesellschaften drückt Machtverhältnisse, aber eben auch Ängste vor Machtverlust, Zweifel an eigener Überzeugungsmacht etc. aus. Dies zeigt sich immer wieder in den Debatten um den Umgang mit so genannten unbequemen Denkmalen oder mit unauffälligen Denkmalen des Alltags. Insofern ist das Thema grundlegend, zugleich aber auch hoch komplex, widersprüchlich und nicht selten spannungsgeladen (die letzten Adjektive entstammen dem Sonderheft der Monumente zum Tag des offenen Denkmals 2017).

Neben den Baudenkmalen symbolisieren natürlich auch Denkmäler im engeren Sinne das Motto Macht und Pracht mit seinen Antonymen. Und auch hier ist unbedingt der Umgang mit diesen bewusst zum Zwecke der Erinnerung gesetzten Malen zu betrachten.

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