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Denkmalschutz & Nachhaltigkeit

Das Motto des etwas anderen Tags des offenen Denkmals 2020 „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken. – Nachhaltigkeit und Denkmalschutz“ hat dafür gesorgt, sich mal wieder vordergründiger mit diesem für uns allgegenwärtigen, aber für Laien, Stadtentwickler, PolitikerInnen und ImmobilienwirtschaftlerInnen oft nicht beachteten Aspekt zu beschäftigen.

Unser kulturelles Erbe erhalten – also bewahren im Sinne von konservieren, aber auch in die Zukunft „transportieren“ – ist die zentrale Aufgabe von Denkmalschutz. Denkmalschutz findet dabei aber nicht jenseits aktueller Entwicklungen und Aufgaben statt. Denkmalpflege und Denkmalschutz reflektieren sehr wohl die aktuellen Debatten, Fragestellungen und Entwicklungen im Zeichen von Klimawandel, Ressourcenknappheit, Artensterben, sozialer und anderer Konflikte. Dies zeigt recht plakativ allein ein Blick auf ältere Motti:thema2012_plakat

Schon 2012 widmete sich der Tag des offenen Denkmals dem Bau- und Wertstoff „Holz“ und natürlich auch dem für Klima- und Artenschutz so essentiellen lebendigen Holz. Letzteres war auch bereits 2006, als die so wichtigen Parks und Gärten im Mittelpunkt standen, Themenschwerpunkt. 2018 wurden das Verbindende in unserem kulturellen Erbe bzw. auch das als trennend Wahrgenommene und die sich daraus ergebenden Folgen in den Fokus gerückt. 2019 ging es um Brüche, Umbrüche, Neuerung, die sich im baukulturellen Erbe widerspiegeln und somit nachvollziehbar und auch hinterfragbar bleiben. Schon vor 19 Jahren – 2001 wurde das Thema Bildung und Nachhaltigkeit aufgerufen.

Der bewusste Umgang mit unserem Planeten, unseren Ressourcen und das Bewußtmachen, dass das eigene Handeln Folgen hat – kaum ein anderes Thema ist aktuell so gesellschaftsrelevant. Zu dieser gesellschaftlichen Debatte kann die Denkmalpflege einen wichtigen Beitrag leisten. Denkmale zu erhalten, ist gelebte Nachhaltigkeit im weitesten Sinne des Wortes – sollte es sein. „In der öffentlichen Wahrnehmung gilt Denkmalschutz allerdings oftmals als das Gegenteil: Denkmale seien energetisch problematisch, stehen dem Fortschritt im Weg und seien auch unter ökologisch-wirtschaftlichen Gesichtspunkten eine Herausforderung.“ (Zitat DSD).

Dabei stellt sich Denkmalschutz sehr wohl als zukunftsweisende Aufgabe dar. Sinn und Zweck von Denkmalpflege und Denkmalschutz ist es, die Vielfalt menschlicher Handlungen/Handlungsoptionen, Lebensentwürfe, Visionen, aber natürlich auch der Techniken & Technologien, Ausdrucksmittel, Stile, Materialien, Ansprüche aufzuzeigen. Es gilt Irrwege und Folgen diverser Entwicklungen materiell greifbar zu verdeutlichen. Denkmale zu erhalten heißt also, materielle Wissensspeicher/besondere Lernorte zu bewahren, zugänglich zu machen. Kulturdenkmale halten eben nicht nur Informationen über Vergangenes in oft ungeahnter Breite vor, sondern tragen in sich gleichzeitig ein breites Spektrum an alternativen Lebens-, Ausdrucks- und Produktionsmöglichkeiten. Nicht selten Museum_642_Poesneck„überrascht“ ein altes Gebäude mit fortschrittliche und umweltfreundliche Technologien, die heute wieder Vorbildfunktionen einnehmen können.

Neben diesem Schutz von Wissen, Ideen etc. trägt Denkmalpflege aber auch messbar zum Schutz wertvoller Ressourcen bei. Der Erhalt von Kulturdenkmalen schont Ressourcen. Leider wird auch heutzutage bei Energiebilanzen noch häufig nur auf zukünftige Energieeinsparungsmöglichkeiten geschaut. Die so genannte Graue Energie – also all die Energie zum Gewinnen von Materialien, zum Herstellen und Verarbeiten von Bauteilen, zum Transport von Menschen, Maschinen, Bauteilen und Materialien zur Baustelle, zum Einbau von Bauteilen im Gebäude sowie zur Entsorgung – wird nicht mitbetrachtet. Dabei belasten Abbruch und Neubau die Umwelt oft wesentlich mehr als der Gebäudeunterhalt. Durch die Verwendung heimischer Materialien und durch ressourcenschonendes Bauen lässt sich die im Gebäude verbaute graue Energie minimieren. „Eine Sanierung von Bestehendem ist vielleicht nicht immer die schnellste Lösung und sie benötigt genaue Planung – aus Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit ist sie jedoch mehr als lohnend. Gegenüber einem Neubau lassen sich bei Sanierungen rund zwei Drittel an Material einsparen. Entgegen der in der Öffentlichkeit verbreiteten Auffassung schneiden Renovierung und Anpassung von Gebäuden bei ganzheitlicher Bewertung von Baustoffen, Produktionsprozessen und Wiederverwertungsmöglichkeiten in der Regel deutlich besser ab als Abbruch und Neubau. Ein weiterer Vorteil: Bislang unberührte Grünflächen bleiben von Bebauung deutlich stärker verschont, wenn der Bestand optimal genutzt und erneuert bzw. denkmalgerecht saniert wird.“ (Zitat DSD) Die Verwendung traditioneller Handwerkstechniken geht zudem meist mit dem Gebrauch von nachhaltigen Baustoffen einher. Historische Materialien sind oft nicht nur umweltverträglicher, sie sind häufig auch ressourcenschonender in der Herstellung. Und schließlich sorgen so genannte „Denkmalhöfe“ mit ihren historischen Baustofflager dafür, dass wertvolle Bauteile und Materialen wiederverwendet werden.

Auch Naturdenkmale wie denkmalgeschützte Bäume, historische Gärten und Parks, Alleen oder die Grüngürtel um geschützte Ortslagen machen Denkmalschutz zu einem Synonym für Nachhaltigkeit. VolksparkUnsere Städte werden dichter und historische Grünflächen damit immer wichtiger. Sie steigern die Aufenthaltsqualität und leisten einen wichtigen ökologischen Mehrwert, denn sie sorgen für die Zirkulation von Frischluft und bieten Lebensraum für Tiere und Pflanzen – oft haben alte Pflanzenarten nur noch hier ihren Freiraum. Grünflächen, Parkanlagen, Friedhöfe gewinnen als landschaftlich Freiräume und Naturoasen immer größere Bedeutung. Pflege und Erhalt dieser grünen Kulturdenkmale stehen gefühlt in einem enormen Spannungsfeld. Dabei können Naturschutz und Denkmalschutz sehr gut Hand in Hand gehen. Siehe hierzu auch : https://denkmalanbesonderebaeume.wordpress.com/gemeinsam-nachhaltig-handeln-denkmalschutz-und-naturschutz/

Es lohnt sich also, dem kulturellen Wert und dem Nachhaltigkeitsaspekt von Denkmalschutz gegenüber kurzzeitig wirkenden wirtschaftlichen Erwägungen die gebührende Priorität einzuräumen.

Von Authentizität und Illusion – Gedanken zu den Wiederaufbauplänen „Palais Kaskel-Oppenheim“

Das Palais Oppenheim, 1845-1848 nach Plänen Gottfried Sempers auf dreieckigem Grundriss im Stil der Neorenaissance für den aus Königsberg stammenden Bankier Martin Wilhelm Oppenheim errichtet, zählte zweifelsfrei zu den kultur- und architekturgeschichtlich besonders wertvollen Profanbauten Dresdens.

Detailliert dem Vorbild italienischer Palazzi folgend und doch in besonderer Weise die örtlichen Gegebenheiten reflektierend, zeichnete der Bau ein Ideal der Villenarchitektur des 19. /frühen 20. Jh. Gleichzeitig entwickelte sich das Oppenheimsche Palais zu einem Zentrum des geistigen und kulturellen Austauschs.

Gebäude und Gartenanlage wurden im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Von dem Palais standen fast nur noch die Umfassungsmauern.

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© SLUB / Deutsche Fotothek / Hahn, Walter
Lizenz: Freier Zugang – Rechte vorbehalten.

Aufgrund der herausragenden, überregionalen Bedeutung des Baus für die Architektur- und Kulturgeschichte bemühten sich Denkmalschützer, insbesondere Dr. Hans Nadler (Landesamt für Volkskunde und Denkmalpflege Sachsen), zumindest diese Substanz zu sichern und zu erhalten. Im April 1951 wurde die überkommene Substanz jedoch zugunsten eines geplanten, später nie realisierten Pionierpalast-Baus gesprengt.
→ zur kultur- und kunstgeschichtlichen Würdigung des Palais Oppenheims siehe
www.gottfriedsemperclub.de/…/P.O.%20Bedeutung%20%20B-Pl.%20389%20A,.pdf
• Laudel, Heidrun: Gottfried Semper – Architektur und Stil, Dresden 1991
• Dies.: Bauen in Dresden im 19. und 20. Jahrhundert, Dresden 1991
• Dies.: Werkkatalog Gottfried Semper. In: Gottfried Semper 1803–1879, 2003

Nun soll das Palais wieder aufgebaut werden. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau beschloss am Mittwoch, d. 31.01. 2018 einstimmig, als ersten Schritt die planungsrechtlichen Möglichkeiten für den Wiederaufbau des Palais Oppenheim zu sichern.
→ vgl. http://www.dnn.de/Dresden/Lokales/Palais-Oppenheim-soll-auferstehen
http://www.sz-online.de/nachrichten/erster-schritt-zum-palais-oppenheim-3871500.html

Jubel, all überall!? …nun ja… Verglichen mit den Diskussionen um Rekonstruktion und Authentizität angesichts des Wiederaufbaus der Frauenkirche und des sich anschließenden etwas sonderbaren „Wiederaufbaus“ des Neumarkts bei gleichzeitiger Beseitigung überkommener Bausubstanz zugunsten von Tiefgaragen herrscht jetzt großes Schweigen. Und ja – viell. ist ja tatsächlich alles gesagt.

Dennoch finde ich die etwas sehr unkritische Befassung/Auseinandersetzung mit dem Thema Rekonstruktion schade, ein wenig enttäuschend sogar. Insbesondere angesichts der Vielzahl an zu hinterfragenden Rekonstruktionsplänen in Potsdam, Berlin und Dresden (das Narrenhäusel ist ja auch schon beschlossene Sache).

Man könnte jetzt einen sehr langen Ritt durch die Geschichte der Denkmalpflege antreten, um sich der Problematik von Rekonstruktion – dem manchmal Für und sehr oft Wider, dem Neben-/Mit- oder Gegeneinander von Sein und Schein zu nähern. Aber das sprengt jeden Rahmen. Außerdem ist es ja nicht nur eine Fragestellung innerhalb der Denkmalpflege.

Es geht um Fragen der Ästhetisierung, Gleichschaltung, Glättung, Verdrängung, um Ideale, Werte, Akzeptanz. Klingt groß, vielleicht ein wenig zu aufgeladen?

Ja, vielleicht… aber was steht hinter dem Wunsch nach Rekonstruktion? Die Nivellierung von Fehlern/ Ereignissen/Entwicklungen der Vergangenheit, die Sehnsucht nach harmonischen Bildern oder doch nur ganz profane wirtschaftliche/Vermarktungsinteressen… (hierzu kann mensch auch mal Mitscherlich, M. & A. lesen) Das ist alles vielleicht menschlich, aber es ist in dem Maße wie diese Sehnsucht, diese Interessen seit einiger Zeit unreflektiert bedient werden, gefährlich.

Grundproblem 1 ist die reale Gefahr, dass Illusionen überhand nehmen und wir irgendwann nur noch von Idealbildern und Illusionen umgeben sind. Das harmonische, einheitliche Denkmalbild oder auch Stadtbild als Ziel. Das Bild, als das einzig Zählende. Authentizität, Substanz, reale Spuren und damit auch Lebenszyklen spielen keine Rolle mehr. Die Komplexität der Denkmalwirklichkeit wird im besten Fall ignoriert, oft aber negiert und/oder bereinigt. Und das Denkmal/Stadtbild transportiert nurmehr ein bereinigtes Geschichtsbild, wenn es überhaupt noch solche Inhalte transportiert und es nicht einfach nur noch um Marktwerte geht

Grundproblem 2: In einer solchen Welt sinkt die Akzeptanz für Unperfektes, Ungerades, für Vielschichtigkeiten, für Risse, Kanten und Haken, für „unharmonisches“ Nebeneinander, für Altersspuren, für Fehlstellen… In solch bereinigten Bilderwelten sinkt auch die Bereitschaft, sich in erhaltene komplexe (Bau-)Strukturen hineinzudenken, die differenzierte Realität differenziert wahrzunehmen.

Jetzt bin ich doch bei den großen Fragen gelandet…zurück zum verlorenen Denkmal

Grundproblem 3:  Von den Befürwortern des Neuaufbaus wird gerade der besondere kulturhistorische Wert des Palais Oppenheim als Argument aufgeführt. Doch, indem man es rekonstruiert, wird gerade die herausragende schöpferische, künstlerische, handwerkliche Leistung geschmälert. Das einzigartige Kulturdenkmal gilt plötzlich als schnell und leicht reproduzierbar, austauschbar. Doch das ist eine Anmaßung. Und ist es denn nicht eine weitaus größere Wertschätzung, wenn man sich am Ort des verlorenen Bauwerkes schon mit Selbigem, aber eben auch mit dem heutigen Ort in seiner Tiefe auseinander setzt und die Geschichte gleichsam der gegenwärtigen Umgebung reflektiert und daraus etwas Neues erdenkt?

 

„Macht und Pracht“ – ein paar wenige Gedanken zum Motto für den Tag des offenen Denkmals 2017

Das Motto 2017

Das Motto „Macht und Pracht“ widmet sich der Frage nach der Sichtbarkeit bzw. Ablesbarkeit von Machtverhältnissen in unserer gestalteten Umgebung.

Architektur ist eine offensichtliche und machtvolle Form der Massenkommunikation. Sie ist ein Spiegel von Macht und Ohnmacht, von Machtstrategien, Machtverfestigung und -verlusten sowie der jeweiligen Auswirkungen auf jene, die sie ausüben und die ihr unterliegen.

Architektur wirkt daher auch auf unser Bewusstsein, weckt Assoziationen, zeigt uns Unzugänglichkeiten, Zugänge, Grenzen und Möglichkeiten auf. Ein Aspekt, den Stadtplanung beachten sollte. Genannt werden sollen hier nur beispielhaft Begriffe wie Uniformierung, Individualiserung, Erniedrigung, Ernüchterung, Animation, Wohlfühlen, Abschreckung, Abwehr, Einladung etc.

Doch nicht nur die Architektur, sondern auch der Umgang mit dem gebauten Erbe in sich wandelnden Gesellschaften drückt Machtverhältnisse, aber eben auch Ängste vor Machtverlust, Zweifel an eigener Überzeugungsmacht etc. aus. Dies zeigt sich immer wieder in den Debatten um den Umgang mit so genannten unbequemen Denkmalen oder mit unauffälligen Denkmalen des Alltags. Insofern ist das Thema grundlegend, zugleich aber auch hoch komplex, widersprüchlich und nicht selten spannungsgeladen (die letzten Adjektive entstammen dem Sonderheft der Monumente zum Tag des offenen Denkmals 2017).

Neben den Baudenkmalen symbolisieren natürlich auch Denkmäler im engeren Sinne das Motto Macht und Pracht mit seinen Antonymen. Und auch hier ist unbedingt der Umgang mit diesen bewusst zum Zwecke der Erinnerung gesetzten Malen zu betrachten.

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Alternativen aufzeigen – Vielfalt bewahren

…ist ein Grundanliegen von Denkmalschutz und eine wichtige kulturpolitische und soziokulturelle Aufgabe.

Denkmalschutz muss nicht nur wegen seiner Befassung mit dem persönlichen Eigentum Dritter permanent begründet, legitimiert werden. Allzu oft wird Denkmalschutz mit seiner zentralen Aufgabe des Bewahrens/Konservierens mit purem Konservativismus gleichgesetzt. Das ist allerdings ein wenig sehr kurz gedacht.

Natürlich konservieren wir Substanz.

Sinn und Zweck ist dabei aber nicht, das Bild einer vermeintlich besseren heilen Vergangenheit zu bewahren oder gar wieder zu erschaffen. Es gilt die Vielfalt menschlicher Handlungen/Handlungsoptionen, Lebensentwürfe, Visionen, aber natürlich auch – etwas heruntergebrochen – der Technologien, Ausdrucksmittel, Stile, Ansprüche aufzuzeigen. Es gilt Irrwege und Folgen diverser Entwicklungen materiell greifbar zu verdeutlichen.

Kulturdenkmale treten dabei als besondere Lernorte in Erscheinung, die nicht nur Informatio­nen über Vergangenes in einer oft ungeahnten Breite vorhalten, sondern in sich gleichzeitig ein breites Spektrum an alternativen Lebens-, Ausdrucks- und Produktionsmöglichkeiten tra­gen. Diese Vielfalt mag mitunter verstören und erschrecken, mit ihr umzugehen bzw. sie zu respektieren, anzuerkennen und als Quell von Kreativität, Individualität aber immer auch für Entwicklung von Empathie zu begreifen, ist für unsere Gemeinwesen jedoch essentiell. (! Diese kluge Beschreibung ist nicht gänzlich von mir. Sie hat sich nur in meinem Kopf ganz tief festgesetzt, ohne dass ich mir die Quelle je aufgeschrieben habe. Ich bitte um Nachsicht)

Denkmalschutz stellt sich damit nicht nur als eine vergangenheitsorientierte, sondern v.a. als zukunftsweisende Aufgabe dar. Und er ist Teil unserer kulturellen Bewusstseinsbildung.

So weit gefasst verstehe zumindest ich meine Aufgabe als Denkmalschützerin und deswegen wird auch gerade um unbequeme, nicht sofort (er-)fassbare, nicht unbedingt „schöne“/“prächtige“ Denkmale gerungen. Untere Denkmalschutzbehörden haben meiner Ansicht nach nicht nur die Aufgabe, denkmalfachliche und denkmalschutzrechtliche Standards zu formulieren und durchzusetzen. Sie haben auch die Möglichkeit, aufklärend und vermittelnd zu agieren. Sie können in einer Welt, in der ökonomische Zwänge immer stärker Druck ausüben und Eile gebieten, Räume mit Events überzogen werden, Denkmälern und Stadträumen bzw. Initiativen den entsprechenden Raum und die nötige Zeit für eine sanfte ggf. alternative Entwicklung geben. Dafür nötig ist eine Zusammenarbeit mit den Engagierten vor Ort, mit Eigentümern und Enthusiasten, Interessierten. Denkmalpflege muss daher als zentraler Bestandteil einer integrativen nachhaltigen Stadtentwicklung verortet werden. Es ist keine rein behördliche Aufgabe. Soziale Aspekte wie Milieuschutz spielen ebenso eine Rolle wie Integration, soziale Gerechtigkeit, Umwelt- und Naturschutz und der Erhalt kreativer Freiräume oder Identität stiftender Orte und Räume.

Denkmalschutz und Denkmalpflege sind gleichzeitig „vitaler Bestandteil unseres kulturell geprägten Lebensraumes“ und damit Teil praktischer kultureller resp. Stadt-Ökologie. (Prof. Thomas Will)

Dieser Zuschreibung von Aufgaben an den Denkmalschutz liegt der weiter gefasste Begriff des Denkmals zugrunde, der wiederum auf der Erkenntnis beruht, dass auch und gerade vielen nicht zum Zwecke der Erinnerung geschaffenen Objekten Informations- und Aussagewerte innewohnen, deren Erhalt im öffentlichen Interesse liegt.